Gerd Rohling (*1946) hat 1992, als Berlin sich durch den Mauerfall und die Wiedervereinigung in einem anarchischen Zustand des Umbruchs befand, auf einem Flohmarkt im Wedding, wo er lebt und arbeitet, eine brisante Installation geschaffen. Die ephemere Ausstellung (sie dauerte nur zwei Tage) mit rund 20 Arbeiten des Künstlers war im Sinn einer sozialen Skulptur im urbanen Raum aufgestellt – zwischen Imbiss, Toilettencontainer, Kirche und Spielsalon. Die Installation löste Fragen, Kommentare, Verwunderung und Diskussionen aus.

Ironie und Kritik sind der künstlerischen Arbeit Rohlings eingeschrieben, der durch die Verwendung von gebrauchten Materialien – die er gerne auf dem Flohmarkt sammelt – provoziert und das klassische Verständnis von der Noblesse des Kunstwerks unterwandert. Rohling konstruiert visuelle Spannungsmomente aus Kunst und Alltag, Fantasie und Realität. Er bezieht sich damit unter anderem auf Claes Oldenburg (*1929), den niederländischen Pop Art-Künstler, der vertraute Alltagsgegenstände in überdimensioniertem Maßstab im öffentlichen Raum platziert. Viele von Rohlings Arbeiten sind im großstädtischen Milieu entstanden. Die architektonische Struktur des MdbK mit seinem Passagencharakter, den offenen Terrassen, Höfen und der optischen Verbindung in den Stadtraum eignet sich für die Re-Inszenierung besonders gut. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Arbeiten Rohlings aus der gleichen Zeit.