I am not a piece of shit I am a piece of society - mit kraftvoll auf die Leinwand gemalten Lettern bringt es der Künstler Bjarne Melgaard auf den Punkt: Kunst fordert ihren Ort in der Gesellschaft. Florian Peters-Messer, Immobilienunternehmer aus Viersen, hat seit Mitte der 1990er Jahre über 350 Werke aktueller, internationaler Kunst zusammengetragen, die in dieser Form erstmals in einem musealen Kontext vorgestellt werden. Die Ausstellung präsentiert eine zugespitzte und scharf konturierte Auswahl von hochpolitischen, mitunter brisanten Werken, die auf kritische, oft beklemmende Weise soziale Verwerfungen unserer Zeit aufgreifen. Der Titel "What Paradise?", angelehnt an ein Werk von Kon Trubkovich, fragt dabei nicht nur nach verlorengegangenen Verheißungen. Es geht auch um den Einzelnen, um seine Hoffnungen und Möglichkeiten in einer immer komplexer und undurchsichtiger erscheinenden Welt, die durch Globalisierung und Digitalisierung anscheinend alles für verfügbar hält und doch kaum noch zu greifen ist. Die Ausstellung nimmt ganz bewusst das Verhältnis von Ästhetik und Ethik in den Blick und damit die soziale Funktion der Kunst insgesamt.

What Paradise? versammelt international renommierte und vielfach diskutierte Positionen, darunter Kader Attia, Thomas Hirschhorn und Santiago Sierra, aber auch noch zu entdeckende Künstlerinnen und Künstler einer jungen Generation wie Viktoria Binschtok oder den Iraner Arash Hanaei, der mit seiner schockierenden Textarbeit Death of a Photographer vertreten ist. Neben zum Teil großformatigen Fotoarbeiten, Skulpturen und Videos, einem Gemälde und mehreren Zeichnungen wird auch eine raumgreifende, kinetische Installation des US-Amerikaners Jon Kessler zu sehen sein.

Die Künstlerin Peggy Buth ist mit einer Videoarbeit vertreten, die auf eindrucksvolle Weise gescheiterte Utopien sichtbar macht. Demolition Flats zeigt die Sprengung von Wohnblöcken einer Pariser Vorstadt, wo in den 1960er Jahren Migranten aus Nordafrika, wenn schon nicht das Paradies, so doch eine neue Heimat finden sollten. Die in Verruf geratenen Quartiere mussten samt der dort lebenden Menschen anderen Entwicklungsplänen weichen.

In seiner verstörenden Fotoserie World of Warfare zeigt Julian Röder wie sich die Waffenmesse in Abu Dhabi mit ihren militärischen, todbringenden Gerätschaften ebenso effektvoll wie publikumswirksam inszeniert. Die Porträts des Südafrikaners Pieter Hugo bilden dazu einen scharfen, aber bedenkenswerten Kontrast. Es sind Porträts junger Männer auf dem berüchtigtem Agbogbloshie Market in Ghanas Hauptstadt Accra – ein erschreckendes Trümmerfeld, auf dem elektronischer Industriemüll unter schlimmsten gesundheitlichen Bedingungen weiterverarbeitet wird.

Zwiespältig betrachtet man die zweiteilige Videoprojektion der Künstlerin Yvon Chabrowski. Zu sehen sind zahllose in Grau gekleidete Menschen. Stumm und dicht aneinandergedrängt bewegen sie sich langsam neben- und übereinander her. Ein scheinbar friedliches Miteinander, das jedoch immer gestört wird, gilt es doch seinen Platz zu behaupten. Ein lange nachwirkendes Bild, denn in der Tat stellt sich die Frage, wie und unter welchen Bedingungen ein gelingendes Zusammenleben nicht nur als Einzelner, sondern als Gemeinwesen organisiert werden kann.

Künstlerinnen und Künstler
Kader Attia, Viktoria Binschtok, Peggy Buth, Yvon Chabrowski, Arash Hanaei, Jonathan Hernández, Thomas Hirschhorn, Pieter Hugo, Sven Johne, Jon Kessler, Douglas Kolk, Bjarne Melgaard, Thomas Rentmeister, Achim Riethmann, Julian Röder, Tom Sachs, Santiago Sierra, Kon Trubkovich, Susan Turcot.