Als Vorschau auf die umfangreiche Ausstellung zu Marcel Duchamp (23.11.2018 bis 10.3.2019) präsentiert die Staatsgalerie Stuttgart im Schaufenster Sohm zwei Künstlerpositionen, die von Duchamp geprägt wurden.

Die japanisch-amerikanische Künstlerin und Pionierin der Videokunst Shigeko Kubota wurde ab den 1960er Jahren stark von dem künstlerischen Werk Marcel Duchamps beeinflusst. Sie selbst begründete dafür den Begriff »Duchampiana«. Die Präsentation im Schaufenster Sohm lässt Kubotas Tonaufnahmen hörbar werden, die sie während des heute legendären Schachspiels aufzeichnete, das 1968 zwischen Duchamp, seiner Frau Alexina und John Cage in Toronto stattfand. Das Schachbrett war mit elektronischen Kontakten versehen worden, die das Spiel zwischen den Künstlern in Ton- und Lichtsignale umwandelte.

Kubotas Arbeiten stehen exemplarisch für ein ganzes Künstlernetzwerk, das tiefgreifend von Duchamps Ideen beeinflusst wurde. So ist im Schaufenster Sohm auch Nam June Paiks zweiteilige Videoarbeit "Merce by Merce by Paik" zu sehen, die als Hommage an Merce Cunninghams wegweisende Choreographien ebenfalls auf Duchamp und den Kosmos der New Yorker Kunstszene der 1960er Jahre verweist. 

Führung Schaufenster Sohm IX: Duchampiana
mit Arnaud Obermann (Restaurator für Medienkunst)
und Dr. Susanne M.I. Kaufmann (Kuratorin)
Donnerstag, 4.10.2018, 18.30 Uhr, Teilnahmegebühr 5 € / 2,50 €

Das »Archiv Sohm« ist eines der weltweit bedeutendsten Archive zu Fluxus und intermediärer Kunst. Seit 1981 gehört die umfassende Zeitdokumentation aus Korrespondenzen, Fotos, Büchern, Filmen, Aktionsrelikten und Objektkunst des Markgröninger Zahnarztes Hanns Sohm (1921-1999) zu den Kunstarchiven der Staatsgalerie Stuttgart. Die Reihe »Schaufenster Sohm« der Staatsgalerie gewährt in wechselnden Ausstellungen Einblicke in das Archiv.

Zu den bisher präsentierten Künstern zählen Dieter Roth, Allan Kaprow, Milan Knížák, Yoko Ono, Tomas Schmitt, herman de vries, Hansjörg Mayer, als Gast Marcel Duchamp und zuletzt Ed Ruscha.

Die aktuelle Präsentation anlässlich des 80. Geburtstages von Ed Ruscha läuft nur noch wenige Tage bis 2.9.2018. In einer Auswahl aus der Archivsammlung von Hanns Sohm sind vor allem die frühen Buchproduktionen des Künstlers zu sehen, mit denen er Kunstgeschichte geschrieben und nachfolgende Künstlergenerationen beeinflusst hat. 

Bewusst vernachlässigt Ed Ruscha traditionelle Konventionen des Fotografierens in Komposition und Perspektive und entwickelt einen konzeptuellen Ansatz mit Fokus auf serieller Reihung. So kartografiert er insbesondere das redundante Erscheinungsbild von Orten der US-amerikanischen Westküste und registriert von Tankstellen über Swimmingpools bis zu Parkplätzen alles mit trockenem Humor.