Hinter dem Ausstellungsprojekt »Stuttgart sichten« steht die hochaktuelle Frage, wie Museen heutzutage mit ihren Sammlungsbeständen umgehen, wie sie sie innovativ präsentieren, wie der Spagat zwischen klassischer Kunstvermittlung und zeitgemäßer, Neugierde weckender Präsentationsformate gelingen kann.

Die Deichtorhallen Hamburg als noch junges Ausstellungshaus mit dennoch langjähriger Erfahrung, unterschiedlichste private und öffentliche Sammlungsbestände in Großausstellungen aufzubereiten und die Staatsgalerie Stuttgart, die dieses Jahr auf eine 175-jährige Tradition des Sammelns zurückblicken kann, haben darauf mit der Ausstellung »Stuttgart sichten« eine provokante Antwort gefunden: Ein skulpturales Gesamtkunstwerk, eine Gesamtinszenierung mit Skulpturen als künstlerischem Material des Künstlers Florian Slotawa (*1972), die zugleich einem epochalen Überblick über die Entwicklung der Skulptur dienen kann. Dafür bekam der Künstler die Möglichkeit, Werke aus der Skulpturensammlung der Staatsgalerie auszuwählen, um diese in der 3.000 qm großen Deichtorhalle vom 26. Oktober 2018 bis 20. Januar 2019 völlig neu zur Geltung kommen zu lassen.

Kaum ein Künstler versteht so feinsinnig mit dem Thema Kunstsammlungen umzugehen wie der 1972 in Rosenheim geborene Florian Slotawa, der in München und Hamburg studiert hat, und u.a. im P.S.1 MoMA New York (2009), im Arp Museum in Bad Godesberg (2012) oder im Hamburger Bahnhof (2014) Einzelpräsentationen ausgestellt hat. Seit fast 30 Jahren verfolgt der in Berlin lebende Künstler performative Strategien in seiner bildhauerischen Arbeit.

Florian Slotawa plant die Präsentation in Hamburg aus verschiedenen Perspektiven heraus zu entwickeln, darunter die Skulpturen bei ihrer Präsentation für sich gelten zu lassen, sie in spannungsvolle Dialoge untereinander zu bringen, sie nach einer bestimmten Ordnung zu sortieren, sie mit Alltagsgegenständen zu kombinieren oder sie, wie im Fall des Picasso- Ensembles der »Badenden«, nachzubauen. Das so improvisiert erscheinende wie exakt positionierte, behutsame Arrangieren der Skulpturen durch Slotawa ist die Voraussetzung dafür, dass ein anderer Blick auf die Kunst möglich wird, dass sie etwas Unantastbares und Auratisches erhält. Am Ende steht immer auch die Frage, was aber ist nun noch Skulptur? Eine Frage, die besonders bei der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst unbedingt gestellt werden sollte.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Deichtorhallen Hamburg und der Staatsgalerie Stuttgart.