Ein Kooperationsprojekt der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V. (DG) in München und dem Museum für Konkrete Kunst (MKK) in Ingolstadt

Im Herbst 2018, dem Jahr des 125-jährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, eröffnet eine ungewöhnliche Kooperation zweier Ausstellungshäuser den frischen Blick auf veraltete Definitionen. Der Rückblick auf die Geburtsstunde der Konkreten Kunst, eng verwoben mit der Suche nach dem Geistigen, lässt die aktuelle Kunst in einem neuen Licht erscheinen.

Zwei Fachmuseen mit besonderen Schwerpunkten – christliche bzw. Konkrete Kunst – schließen sich zusammen, um gemeinsam der Frage nachzugehen, was 100 Jahre nach den Anfängen der Avantgarde das ‚Geistige‘ in der Kunst sein könnte. Am Anfang stand das Interesse an zwei Künstlern, die das Verständnis von Kunst erweitert, verändert und dadurch radikal revolutioniert haben: Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch. Beide Künstler bedienten sich der Wissenschaften, Kosmologie, Kunstgeschichte und Religionen und entwickelten daraus ihre eigene Mythologie und Kunsttheorie.

Dies war sowohl für die christliche als auch für die Konkrete Kunst ein einschneidender Moment. Die Konkrete Kunst entstand erst aus dieser neuen Denkweise heraus – es ist ihre historische Geburtsstunde –, und die christliche Tradition erfuhr durch die ungegenständliche Darstellung eine völlig neue Dimension. Die Relevanz von Kandinsky und Malewitsch für die moderne Kunstentwicklung ist eindeutig und doch lässt sich schwer fassen, wie die Suche dieser beiden Künstler nach dem ‚Geistigen‘ heute nachwirkt. Es gab zahlreiche Ausstellungen in den letzten Jahren zu diesen ‚Urvätern‘ der Moderne, aber der größere Bogen zum Hier und Heute wurde nur in Ansätzen gewagt. Das soll mit den Ausstellungen von DG und MKK nun geändert werden.

Was verstehen wir unter dem Geistigen in der Kunst? Es ist zunächst das Gegenteil einer rein naturalistischen Kunstauffassung, von der sich die Avantgarde vor 100 Jahren abwandte. Es meint darüber hinaus die Aufladung einer Darstellung mit einer zweiten Ebene, die auf etwas Größeres verweist. Unsichtbare, schwer fassbare Zusammenhänge werden in Farben und Formen übersetzt. Für Kandinsky ist die Erfahrung der Synästhesie wesentlich; Malewitsch spricht vom „Widerhall des Alls“, das er auszudrücken versucht.

Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) und das Museum für Konkrete Kunst (MKK) haben gemeinsam rund 20 künstlerische Positionen ausgesucht, die genau auf diese Aspekte abzielen. Die Arbeiten ungegenständlicher Kunst, die in beiden Häusern gezeigt werden, machen Unsichtbares sichtbar bzw. erlebbar, spüren der Unendlichkeit nach, verwandeln Aggregatzustände und lösen sich von klar bestimmbaren Materialien. Für beide Ausstellungsorte sind auch neue künstlerische Arbeiten entstanden.

Die Ausstellung in der DG vereint die unterschiedlichsten Gattungen der bildenden Künste, darunter Malerei, Installation, Video und Skulptur. Kandinskys Forderung nach einer Synthese der Künste sieht sich darin erfüllt. Während Skulpturen mit den klaren Farben Gelb (freie Gerade) und Rot (Diagonale) den Raum bestimmen, dominieren bei den Wandarbeiten die Farben Schwarz (Horizontale) und Weiß (Vertikale). In diesem Spiel der Gegensätze von Farbe und Form löst die Abstraktion die von Kandinsky proklamierte Vibration der Seele aus. Der Betrachter erhält die Möglichkeit, die Werke für sich zu interpretieren und weiterzudenken.

KünstlerInnen in der DG

Anna Borgman, Candy Lenk (*1975, Arhus, Dänemark/*1974, Sonneberg, Deutschland)
Edith Dekyndt (*1960, Ieper, Belgien)
Rainer Eisch (*1967, Thun, Schweiz)
Hubert Kiecol (*1950, Bremen-Blumenthal, Deutschland)
Bastian Muhr (*1981, Braunschweig, Deutschland)
Yelena Popova (*1978, Ural, Russland)
Brigitte Schwacke (*1957, Marl, Deutschland)


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 12:00 - 18:00 Uhr
An Feiertagen geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: dg-galerie.de

Brigitte Schwacke Almanach, 1-7 Nr. 1: 2010/12, Nr. 2: 2013/14, Nr. 4: 2016/17 legierter Draht DIN A0 Foto: Gerald von Foris Courtesy Brigitte Schwacke
12.09. - 10.11.2018

Über das Geistige in der Kunst. 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch

Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.

Finkenstraße 4
80333 München