„Nur Spezialisten wissen, wie und warum Technik (…) funktioniert. Hier nun liegt das Unheimliche, ja das Spukhafte und Erregende, das unser Tun und Leben beeindruckt, bedrängt. Dieses Bedrängtsein, das sich bis zur Angst zu steigern vermag, ist sehr ausgeprägt, das Wesen unserer Zeit. Darum fordert die Technik einen Ausgleich, den geistigen Raum, damit mit der Technik das Menschliche und somit der Mensch herrscht.“ (Franz Radziwill, 1895 – 1983)

Die technischen Errungenschaften der Moderne faszinierten und schreckten den Maler Radziwill zugleich. Diese Ambivalenz war treibende Kraft in seinem künstlerischen Schaffen, und ist nicht allein technikfeindlich zu deuten: den Maler beschäftigt vielmehr das Problem, ob und wie die Menschheit mit dem technischen Fortschritt geistig mithalten kann. Seine Motive sind Schiffe, U-Boote, Kran-Anlagen, Deiche, Flugzeuge, Telegrafenmasten und die über Jahrhunderte vom Menschen bewohnbar gemachte ländliche Kulturlandschaft am Meer. Doch zunehmend werden die Lichtstimmungen unter dem weiten norddeutschen Himmel unwirklich: phantastische Geschöpfe und Himmelskörper lassen an Hieronymus Boschs apokalyptische Visionen denken.

In der Gegenüberstellung mit Werken der zeitgenössischen Kunst wird deutlich, dass Radziwills Fragestellungen sich in der Gegenwart wiederfinden. Vor dem Hintergrund der sich immer rasanter entwickelnden technischen Möglichkeiten spürt die Ausstellung Faszination und Schrecken des Fortschritts nach.