Eine Sonderausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte –Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Kulturministerium Turkmenistans und in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum Hamburg und den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutsche Bank AG und Siemens AG

Margiana – diese historische Landschaft im Osten Turkmenistans war vor rund 4.000 Jahren die Wiege einer faszinierenden Hochkultur der Bronzezeit. Zeitgleich mit den Zivilisationen Mesopotamiens und Ägyptens blieb sie in der westlichen Welt bislang jedoch weitgehend unbekannt. Erstmals außerhalb Turkmenistans werden in einer groß angelegten Sonderausstellung die archäologischen Zeugnisse dieser geheimnisvollen Kultur einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Für die Aufnahmen der archäologischen Stätten, Landschaften, Menschen und Exponate konnte die Fotografin Herlinde Koelbl gewonnen werden. Das Ergebnis ist eine faszinierende Symbiose aus unbekannten archäologischen Relikten und Fotokunst aus einem weitgehend unbekannten Land.

„Die Staatlichen Museen zu Berlin sind dankbar und stolz, die faszinierenden Schätze der Bronzezeit Turkmenistans erstmals in Europa präsentieren zu können“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. „Die Ausstellung ermöglicht unseren Besucherinnen und Besuchern die Entdeckung einer langen Tradition beeindruckenden kulturellen Schaffens.“ Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, fügt hinzu: „Gonur Depe ist nicht irgendeine bronzezeitliche Siedlung – es ist das Zentrum einer Hochkultur, die schon lange vor der Seidenstraße mit vielen Regionen weltweit vernetzt war. In dieser Hinsicht verändern diese 4.000 Jahre alten Funde unser Geschichtsbild grundlegend.“

Turkmenistan ist der südlichste Staat Zentralasiens. Das Land grenzt an den Iran, Afghanistan, Usbekistan, Kasachstan und im Westen an das Kaspische Meer. Landschaft und Natur sind größtenteils von der Karakumwüste und im Süden von den Bergen des Kopet Dag geprägt. Im 20. Jahrhundert galt das Land als die ärmste Republik der Sowjetunion. Durch reiche Vorkommen an Erdöl und Erdgas unterliegt das heutige Turkmenistan einem Wandel, der sich besonders in der raschen Veränderung der Städte und der Infrastruktur äußert – ein unbekanntes Land zwischen Tradition und Moderne.

In der Vergangenheit war das Gebiet Turkmenistans ein Zentrum der Hochkultur, angebunden an die Vorläufer der Seidenstraße zwischen China, Indien, dem Iran und dem Vorderen Orient. Alexander der Große erreichte das Gebiet im 4. Jahrhundert v. Chr. auf seinem Weg nach Indien. Im 2. Jahrhundert n. Chr. errichteten die Parther ihre Hauptstadt in Alt-Nisa nahe der heutigen Hauptstadt Aschgabat. Ein weiteres bedeutendes Zentrum entwickelte sich weiter nördlich in der Oase Merw, die heute wie auch Nisa zum UNESCO-Welterbe zählt. Seine erste Blüte erlebte Turkmenistan aber schon vor mehr als 4.000 Jahren, als das Reich von Margiana seine prachtvolle Blütezeit erlebte.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die sensationellen Ergebnisse der archäologischen Forschungen, die in der antiken Metropole von Gonur Depe unweit Merw durchgeführt wurden. Dabei freigelegte Baustrukturen lassen noch heute eine beeindruckende Meisterleistung früher Stadtplanung erkennen. Von einem gewaltigen Mauerring umschlossen, war die 28 Hektar große Stadtanlage in verschiedene Bezirke eingeteilt, darunter Wohnareale, Handwerkerviertel und Friedhöfe. Das Herzstück bildete ein quadratisches Palastareal, das durch mit Türmen bewehrten Mauern befestigt war. Die Glanzlichter der Ausgrabungen sind ohne Zweifel die sogenannten „Königsgräber“ – mit feinsten Mosaiken ausgeschmückte Grabhäuser, in denen die verstorbenen Würdenträger prunkvoll zur letzten Ruhe gebettet wurden. Reich verzierte, mitsamt den Zugtieren beigegebene Prunkwagen, Schmuck, Waffen, Ritualgeräte sowie prachtvolle Gefäße aus Silber und Gold stellen einzigartige Meisterwerke bronzezeitlicher Handwerks- und Goldschmiedekunst dar. Doch auch die Funde aus dem Stadtgebiet sprechen für sich: Exotische Objekte und Materialien belegen Fernkontakte bis in das Industal im heutigen Pakistan, zu den Hochkulturen Mesopotamiens, nach Syrien, in den Oman sowie bis in die fast 2.000 km nördlich gelegenen Steppen des Uralgebiets.

„Margiana“ ist weit mehr als eine archäologische Ausstellung. Im Januar 2018 begleitete die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte zwei Wochen lang in Turkmenistan, und näherte sich dabei erstmals in ihrem Schaffen archäologischen Spuren an.

Herlinde Koelbls Werk zeichnet sich durch fotografische Langzeitprojekte aus, oft ergänzt durch tiefgehende Gespräche. Dem Porträtieren von Milieus und Personen gilt das besondere Interesse der Künstlerin. Ihre Fotografien wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und sind in vielen wichtigen Sammlungen vertreten. Herlinde Koelbl hat über ein Dutzend Fotobücher publiziert, darunter „Targets“ (2014), „Kleider machen Leute“ (2012), „Mein Blick“ (2009), „Haare“ (2007), „Schlafzimmer“ (2002), „Spuren der Macht“ (1999), „Jüdische Portraits“ (1989), „Feine Leute“ (1986) und „Das deutsche Wohnzimmer“ (1980). Parallel zu ihren Büchern und Ausstellungen veröffentlicht Herlinde Koelbl häufig auch themengleiche Dokumentarfilme und Videoinstallationen. Sie wurde für ihr Schaffen bereits mehrfach ausgezeichnet, so zum Beispiel 2001 mit dem Dr. Erich-Salomon-Preis.

Für „Margiana“ hat Herlinde Koelbl faszinierende Fotoaufnahmen eines Landes und seiner Bewohner geschaffen und eindrucksvolle Naturlandschaften sowie archäologische und historische Denkmäler fotografiert, die es in dieser Form bisher nicht gab. Auf diese Weise betritt die Ausstellung Neuland und bietet einen ungewohnten, spannungsreichen Bogen von den Spuren einer frühen Zivilisation jenseits des Kaspischen Meeres hin zum Schaffen der modernen Fotografie.

Im Anschluss an die Präsentation im Neuen Museum wird die Ausstellung in Hamburg und Mannheim zu sehen sein.

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation im Michael Imhof Verlag: 288 Seiten, ca. 400, vorwiegend farbige Abbildungen, ISBN 978- 3-7319-0662-9, Buchhandelsausgabe: 39,95 €, Museumsausgabe 29 €.


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum

Frau in turkmenischer Alltagstracht in Neu-Nisa, 2018 © Herlinde Koelbl
25.04. - 07.10.2018

Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan. Mit Fotografien von Herlinde Koelbl

Neues Museum

Bodestraße
10178 Berlin