Die vielfältigen Beziehungen des Dichters Rainer Maria Rilke zur Künstlerkolonie Worpswede sind weithin bekannt. Dort lernte er Paula Modersohn-Becker (mit der er bis zu ihrem Tod eng befreundet blieb) und die Bildhauerin Clara Westhoff kennen, die er 1901 heiratete. Kaum jemand weiß jedoch, dass Bremen für Rilke mehr war als ein Umsteigebahnhof. Insbesondere in den für Rilkes Entwicklung zu einem modernen Autor entscheidenden Jahren zwischen 1901 und 1911 war die Hansestadt ein Fixpunkt seines unsteten Lebens. Um dieses für die Rilke-Forschung weitgehend unbekannte Terrain zu erkunden, tagt die Internationale Rilke- Gesellschaft im September 2018 erstmals in Bremen. Die Museen Böttcherstraße nehmen dies zum Anlass, das Thema »Rilke in Bremen« in einer kleinen Kabinettausstellung zu behandeln. Das Ziel ist dabei ein doppeltes: zum einen Rilkes intensive Verflechtungen mit Bremen um 1900 anschaulich zu machen, zum anderen den zahlreichen Spuren Rilkes in den heutigen Beständen von Bremer Museen, Archiven und Privatsammlern nachzugehen. Vom 21. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 ermöglicht die Ausstellung anhand von – zum Teil erstmals gezeigten – Dokumenten, Artefakten und Kunstwerken eine frische und persönliche Perspektive auf den bis heute vielgelesenen Dichter.

Bremen war für Leben und Werk Rilkes gleichermaßen bedeutsam. 1901 heiratete er in Bremen – und ließ zehn Jahre später auch das hochkomplizierte, schließlich abgesagte Scheidungsverfahren über eine Bremer Kanzlei laufen. Seine 1901 geborene Tochter wuchs von 1902 bis 1910 bei den Schwiegereltern in Bremen-Oberneuland auf und wurde vom Ehepaar Rilke immer wieder dort besucht. Dass er kein Familienmensch sei und sein zukünftiges Leben ganz dem Schreiben widmen wolle, wurde ihm während dieser zum Teil mehrmonatigen Aufenthalte deutlicher bewusst als irgendwo sonst (und wird in der Ausstellung von eindrücklichen Bremer Briefen an Lou Andreas-Salomé bezeugt). Verbunden fühlte sich Rilke allein mit Claras Bruder, dem Maler Helmuth Westhoff, der Porträts von Rilke und seiner Tochter anfertigte (die beide erstmals in Bremen gezeigt werden).
Ein maßgeblicher Förderer in den finanziellen Krisenjahren 1901/02 war Gustav Pauli, damals Mitarbeiter, später Direktor der Kunsthalle Bremen. Er verschaffte Rilke den Auftrag zur Worpswede-Monographie und bezog ihn in die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der Kunsthalle 1902 ein.

Rilke schrieb für diesen Anlass eine Festspielszene und führte – zum einzigen Mal in seinem Leben – bei einem Theaterstück Regie.
1905/6 wickelte Rilke als Sekretär von Auguste Rodin die ersten Rodin-Ankäufe der Kunsthalle ab, und auch der Kontakt zu Rodin war 1902 über eine Bremer Begegnung zustande gekommen. Auf seine erste Paris-Reise bereitete sich Rilke in einer Bremer Sprachschule vor, in Bremen hielt er Vorträge über internationale Künstler – und zeitlebens wird er für keine Zeitung so viele Besprechungen und Artikel schreiben wie für das Bremer Tageblatt.

Um dieses bisher kaum beachtete Kapitel dreht sich die Kabinettausstellung »Rilke in Bremen«. Sie gibt im Paula Modersohn-Becker Museum einenEinblick in die Lebensphase von Rainer Maria Rilke, die als „Making of“ einesder wichtigsten deutschsprachigen Dichter gelten kann.


Im Rahmen der Ausstellung bieten die Museen Böttcherstraße folgende Begleitveranstaltungen an:

So., 30.9.2018, 14 bis 16:30 Uhr
Stadtrundgang
Auf den Spuren von Rilke durch Bremen
€ 12,- inkl. Eintritt


Di., 2. 10.2018, 17 bis 17:30 Uhr
Kurzführung
Rilke in Bremen
Teilnahme frei! Zzgl. Eintritt


So., 14.10.2018, 14 bis 16:30 Uhr
Stadtrundgang
Auf den Spuren von Rilke durch Bremen
€ 12,- inkl. Eintritt


Di., 20.11.2018, 19 bis 21 Uhr
Vortrag
Paula Modersohn-Becker & Rainer Maria Rilke – eine Künstlerfreundschaft
von Dr. Rainer Stamm
€ 12,-