Zwei Fachmuseen mit besonderen Schwerpunkten – christliche bzw. Konkrete Kunst –schließen sich zusammen, um gemeinsam der Frage nachzugehen, was hundert Jahrenach den Anfängen der Avantgarde das „Geistige“ in der Kunst sein könnte. DasErgebnis dieser Überlegungen präsentieren die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) in München und das Museum für Konkrete Kunst (MKK) in Ingolstadt in einergemeinsamen Ausstellung an den zwei eben genannten Orten unter dem Titel „Über das Geistige in der Kunst. 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch“. Während der Münchner Teil bereits am 12.09.2018 eröffnet, findet die Vernissage des Ingolstädter Abschnitts am 29.09.2018 um 19.00 Uhr statt. Für die Ausstellung haben die Kuratorinnen rund 20 künstlerische Positionen ausgesucht, die sich zwar nicht explizit auf Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch berufen, die aber deren Gedankengut in die heutige Zeit übertragen. An beiden Spielorten sind für die Präsentation neue Arbeiten entstanden.

1912 erschien die bahnbrechende Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ von WassilyKandinsky. Zeitgleich mit ihm beschäftigten sich Künstler wie Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch mit ähnlichen Gedanken. Sie suchten nach Möglichkeiten, wie man das Unsichtbare, das Transzendente, das Spirituelle darstellen könnte und sie gelangten alle zu einem ungegenständlichen Malstil, bei dem allein den Farben und Formen Bedeutung zukam.

Über hundert Jahre später stellt sich die Frage, welche Relevanz dieser geistigen Dimension in der ungegenständlichen Kunst geblieben ist. Die Konkrete Kunst gilt seit der Nachkriegszeit als eine streng mathematische Richtung, der jede spirituelle Bedeutung angeblich fehle, obwohl ihre Ursprünge bei Kandinsky, Mondrian und Malewitsch liegen. Eine junge Generation sieht sich nicht mehr in direkter Nachfolge solcher engen Stilbezeichnungen. Sie bezieht sich vielmehr assoziativ auf die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihren synästhetischen Ansatz, Klang, Farbe und Bewegung zu einem Kunstwerk zu formen.

In der gemeinsamen Ausstellung von DG und MKK soll an exemplarischen Positionenaktueller Kunst dieser Suche nach dem „Geistigen“ nachgegangen werden. In Münchensteht die Auseinandersetzung mit Kandinsky im Mittelpunkt, während die Ingolstädter Schau Kasimir Malewitsch ins Zentrum rückt. Malewitschs metaphysische Kunsttheorie wirft Fragen nach dem Kosmos, der Unendlichkeit und der Sichtbarmachung des Unsichtbaren auf. Zeitgenössische Künstler*innen beschäftigen sich ebenfalls mit diesen Themen. Allerdings geschieht dies heute ohne missionarischen Eifer und dem Streben nach einer gesellschaftlichen Utopie. Was jedoch über die Zeiten verbindet, ist der Glaube an die Kraft und die Magie der Kunst.

Nur im Zeitraum vom 30.9. bis zum 10.11.2018 sind die Ausstellungen parallel zu sehen. Im gemeinsamen Katalog, der zur Münchner Eröffnung erscheint, ist die komplette Schau abgebildet.

Künstlerliste
Edith Dekyndt, Rainer Eisch, Ann Veronica Janssens, Raimer Jochims, Koka Ramishvili, Lienhard von Monkiewitsch, Jan van Munster, Brigitte Schwacke, Semiconductor, Julius Stahl, Erik Sturm, Andrea Wolfensberger sowie Werke aus der Sammlung.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: mkk-ingolstadt.de

Brigitte Schwacke Hirayama Family, 2014 Legierter Draht Installation variabel © Brigitte Schwacke Foto: Brigitte Schwacke
30.09.2018 - 10.03.2019

Über das Geistige in der Kunst. 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch

Museum für Konkrete Kunst

Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt