Die Einzelausstellung von Lorenzo Sandoval kombiniert zwei alte Kulturtechniken: den Ursprung der Algorithmen und die komplexe Knüpftechnik der Quipus aus der Zeit der Inkas. Dabei zeigt er dreidimensionale Drucke islamischer Ornamente, die Aufzeichnungssysteme der Quipus sowie Videoinstallationen mit Experteninterviews im Atelier der Schwartzschen Villa und wirft damit Fragen zum anthropologischen Ursprung unserer Computertechnik auf. Dem Ansatz der Dekolonialität des argentinisch-britischen Sprachwissenschaftlers Walter Mignolo folgend, untersucht Sandoval mit künstlerischen Mitteln alternative Formen zur westlichen in der Renaissance geborenen Welt- und Wissensordnung.

Die erste Forschung nimmt ihren Ausgangspunkt in der Abbildung von Mu?ammad ibn M?s? al-Khw?rizm. Sein lateinischer Nachname (al-Khw?rizm) gab dem Algorithmus den Namen. Diesermuslimische Gelehrte des IX. war der Erfinder vieler mathematischer Entdeckungen, wie Algebra. Ausgehend von seiner Figur wird untersucht, wie Mathematik eine transnationale Sprache war, die das gesamte Mittelmeer überspannte und verschiedene Denktraditionen verband. Darüber hinaus hatten sie einen großen Einfluss auf die ästhetische Konzeption des Islam in Bezug auf Architektur und Systeme der spirituellen Repräsentation in der Welt.

Der zweite Ausgangspunkt untersucht verschiedene Theorien, die den Inka-Quipus als ein System der Berechnung und des Schreibens vorschlagen. Quipus waren ein Aufzeichnungssystem der Inkas, auch sprechende Knoten genannt.

Das Projekt nimmt diese beiden Elemente als zwei Linien, die sich in der Erzählung verflechten, um die Ursprünge des Computers zu hinterfragen. Die formale Entwicklung der Ausstellung verbindet die ästhetischen Werkzeuge beider Denksysteme und interessiert sich für basale anthropologische Fragestellungen nach dem Ursprung unserer heutigen Rechensysteme.

Lorenzo Sandoval ist Künstler, Kurator, Schriftsteller und selbsternannter Amateurarchitekt. Seine Arbeiten befragen Raum- und Machtverteilungen durch Plattformen und Begegnungen, die das 'spatial storytelling' fördern. 2019 repräsentiert er zusammen mit dem interdisziplinären Team desMiracle Workers Collective Finnland auf der Venedig Biennale.

Rahmenprogramm:
Mittwoch, 19.09.2018, 17 Uhr Führung durch die Ausstellung mit Dr. Christine Nippe 9.10.-12.10.2018, 10-17 Uhr Workshop zu peruanischen Textiltechniken

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei Archive Books.


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: kultur-steglitz-zehlendorf.de

Lorenzo Sandoval: Shadow Writing (Algorithm/Quipu), 2017 Fotografie: Lorenzo Sandoval
08.09. - 04.11.2018

Lorenzo Sandoval: Shadow Writing (Algorithm / Quipu)

Schwartzsche Villa

Grunewaldstraße 55
12165 Berlin