Jade, Bronze, Cloisonné, Skulptur und Malerei – die Asiatica-Sammlung des Unternehmers Werner Reimers (1888–1965) umfasst beinahe alle wichtigen Sparten der Ostasiatischen Kunst. Im Rahmen einer Wissenschaftspartnerschaft zwischen der Werner Reimers Stiftung und dem Museum Angewandte Kunst wurde die Sammlung in den letzten drei Jahren wissenschaftlich aufgearbeitet. Dies nimmt das Museum zum Anlass, 60 ausgewählte Werke der Kollektion erstmals zu präsentieren, vom 25. Oktober 2018 bis 24. Februar 2019 in der Ausstellung Geburtsort Yokohama. Der Unternehmer Werner Reimers (1888–1965) und seine Asiatica-Sammlung.

Werner Reimers kam 1888 als Sohn einer Hamburger Kaufmannsfamilie in der japanischen Hafenstadt Yokohama zur Welt. Er wuchs in Hamburg auf, kehrte jedoch 1911 im Auftrag des väterlichen Handelshauses an seinen Geburtsort Yokohama zurück. Während des Ersten Weltkriegs wurde ihm jegliche kaufmännische Tätigkeit in Japan untersagt. Vor dem Hintergrund der erzwungenen beruflichen Untätigkeit entdeckte Reimers den Reiz der japanischen Kunst und Kultur für sich. Diese Leidenschaft weitete sich mehr und mehr auf die chinesische Kunst aus und begleitete den seit 1928 in Bad Homburg tätigen Unternehmer für den Rest seines Lebens. Über die Jahre baute er eine beachtliche Sammlung auf, die ein eindrucksvolles Zeugnis dessen bietet, was westliche Asiatica- Sammler im 20. Jahrhundert an der Kunst des Fernen Ostens faszinierte.

Die insgesamt noch existierenden 140 Objekte der Sammlung Reimers reichen vom miniaturhaften netsuke und snuff bottle bis zum großen Kabinettschrank im Japanischen Stil. Sie verraten einen eher spielerischen Zugang zur Asiatischen Kunst, der fast an barocke Chinoiserie-Sammlungen denken lässt. Zu den herausragenden Stücken, die auch in der Ausstellung präsentiert werden, zählen etwa ein Tang-zeitlicher Steinbuddha und eine Gruppe von Albumblättern mit eleganter Tuschmalerei. Von außergewöhnlicher Qualität sind auch eine mit Flora und Fauna des Meeres verzierte Enghalsflasche aus der Ming-Zeit sowie eine Pilgerflasche aus der Qianlong-Periode. In der Ausstellung werden die Objekte ergänzt durch historische Fotografien und Texte, die Werner Reimers als Kunstsammler im Kontext seiner Zeit thematisieren. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den Jahren, die er in Yokohama verbrachte.

1963 gründete Werner Reimers eine Wissenschaftsstiftung. Nach eigenen Worten hatte er dabei die Vision, in der Philosophie „westliche Wissenschaft und östliche Weisheit“ zur „Erschließung eines Weges zu einer westlichen Weltanschauung in christlicher Lebensform“ zu fördern. Während die Stiftung auf akademischem Gebiet großen Ehrgeiz entwickelte, blieb die Kunstsammlung des Stifters über Jahrzehnte weitgehend unbeachtet. Erst 2016 machte sich ein Expertenteam daran, alle Objekte der Sammlung zu erforschen, einzuordnen und zu dokumentieren. Das von Dr. Albrecht von Kalnein/Werner Reimers Stiftung initiierte und von Dr. Birgit Mayr/Heidelberg und Dr. Stephan von der Schulenburg/Museum Angewandte Kunst geleitete Projekt wurde von den Spezialisten Gerald Holzwarth, Karolin Randhahn und Xiutang Li unterstützt. Der Gesamtkatalog ist für 24,95 Euro an der Museumskasse sowie im Buchhandel erhältlich.

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung/Bad Homburg erarbeitet und wird unterstützt von der Gerda Henkel Stiftung, der Stadt Frankfurt am Main und der Japan Foundation.

Gesamtkatalog
Geburtsort Yokohama. Der Unternehmer Werner Reimers (1888–1965) und seine Asiatica- Sammlung, Herausgeber: Stephan von der Schulenburg und Birgit Mayr, 224 S., 238 farb. Illustrationen, Schnell & Steiner, Regensburg, Oktober 2018, ISBN 978-3-7954-3352-9

Zwei sechseckige Deckelvasen, Foto: Ute Kunze © Museum Angewandte Kunst Werner Reimers Stiftung
25.10.2018 - 24.02.2019

Geburtsort Yokohama. Der Unternehmer Werner Reimers (1888-1965) und seine Asiatica-Sammlung

Museum Angewandte Kunst

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60594 Frankfurt am Main