Heinz-Günter Prager (geb. 19.12.1944 in Herne, Westfalen) ist ein deutscher Bildhauer, Zeichner und Grafiker. Seine Skulpturen sind an vielen öffentlichen Orten präsent, etwa vor der Berliner Nationalgalerie oder auf dem Friesenplatz in Köln. Auch das LVR-Landes Museum besitzt eine seiner Skulpturen mit dem Titel „Achse mit drei Scheiben“, die im Skulpturenhof des Museums ausgestellt ist. Weniger bekannt sind Pragers Arbeiten auf Papier, die diese Ausstellung zeigt. Insgesamt werden ca. 100 Zeichnungen aus den Jahren 1966-2018 ausgestellt, die einen Einblick in Pragers Arbeitsalltag und einen Überblick über ein halbes Jahrhundert seines künstlerischen Schaffens geben.

Pragers Zeichnungen entstehen immer wieder mit Blick auf seine Skulpturen. Er erschließt sich mit dem Medium der Zeichnung eine Art Erkundungsfeld zur Skulptur. Dabei löst sich Prager mit seinen Zeichnungen von der Abhängigkeit von Materialien, Statik, Formen und Maßen, die jedoch für seine Skulpturen entscheidend sind. Seinen Arbeiten auf Papier sind somit keine gestalterischen Grenzen gesetzt. Pragers Zeichnungen (wie auch seine Skulpturen) drehen sich um Themen, die nicht Wirklichkeit wiedergeben, sondern Wirklichkeit schaffen. Gelegentlich streifen die Zeichnungen aber auch ins malerische, in die Abstraktion, ab. Prager bewegt sich selten nur innerhalb der Grenzen des Rationalen und Berechenbaren.

Im Mittelpunkt Pragers bildnerischen Denkens stehen Prinzipien wie das des Gleichgewichts und der der Bewegung. Als ein Leitmotiv in Pragers Formenwelt kann die Ellipse (der gestauchte Kreis) gelten, die sich als Formgedanke durch seine Werke zieht und in der das Prinzip der Bewegung die prägnanteste Form angenommen hat. Der Kreis oder die Ellipse erscheint jedoch nicht isoliert, sondern paarweise oder in Kombination mit einem Kreuz, einem Rechteck oder einer Linie. Dabei werden immer wieder die verschiedenen Varianten des Kreises mit der Maßstäblichkeit des Menschen in Verbindung gebracht.

In den Zeichnungen der letzten Jahre bedient sich Prager einer immer größer werdenden Freiheit, die sich in Farbe, Form und Komposition zum Ausdruck bringt. Auffällig bei Pragers Zeichnungen ist die Losgelöstheit der Formen vom umgebenden Raum. Das Papier selbst wird zum Raum, in dem sich Zeichnung in einer Art Schwebezustand befindet. Nicht die Linie definiert den Raum des Blattes, sondern das Blatt definiert den Raum der Linie. Die Zeichnungen Pragers bewegen sich in einem Zwischenbereich der real existierenden Skulptur, ihrer Beziehung zum Raum und einer zweidimensionalen Gestaltung, die erst bei der Betrachtung den Raum als geistiges Potenzial hinzufügt.

Prager ermöglicht dem Betrachter seiner Zeichnungen die Intuition zu einer besonderen, mit Gefühl formulierten Formsetzung und Maßgeblichkeit zu erkennen. Der Künstler Prager schafft es in seinen Werken eine abstrakte Formenwelt in Bewegung zu setzen und so zum Leben zu erweck


Heinz- Günter Prager
1944 geboren in Herne, Westfalen
1964-68 Studium an der Werkkunstschule in Münster
1983-2010 Professur für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig seit 1987 Atelier in der Bretagne
Heinz-Günter Prager lebt und arbeitet in Köln und Plomeur, Frankreich.

Auswahl der Ausstellungen und andere Aktivitäten
1972 Gruppenausstellung, Szene Rhein-Ruhr ’72, Museum Folkwang, Essen
1973/74 Villa-Romana-Preis, verbunden mit einem zehnmonatigen Aufenthalt in Florenz 1975 Einzelausstellung, Museum Folkwang, Essen
1977 Gruppenausstellung, documenta 6, Kassel
1977 Gruppenausstellung, Skulptur, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster
1978 Einzelausstellung, Städtisches Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen
1981 Entstehung des Buchs „Identitäten“ in Zusammenarbeit mit Eugen Gomringer1982/83 Aufenthalt in der Villa Massimo, Rom; Stipendium des Kunstfonds e.V., Bonn 1983 Einzelausstellung, Museum Moderner Kunst, Palais Liechtenstein, Wien
1984 Einzelausstellung, Städtische Kunsthalle Mannheim
1997 Einzelausstellung, Sprengel Museum Hannover
2000 Gruppenausstellung, Kulturräume, Skulptur seit 1970, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
2001 Einzelausstellung, Kunstmuseum Bonn
2008 Gruppenausstellung, Genau und anders, Museum Moderner Kunst, Wien
2009/10 Einzelausstellung, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
2010 Erscheinung von seinen Schriften „Recherche“ herausgegeben von der HBKBraunschweig im Verlag für moderne Kunst in Nürnberg