Was bedeuten Respekt, Freundschaft, Toleranz und Freiheit für Sie?

Was haben ein Holzpferdchen mit Respekt, zwei schrumpelige Kaffeebohnen mit Freundschaft, ein Rollstuhl mit Freiheit und ein Reclam-Heft mit Toleranz zu tun? Die partizipative Ausstellung Museum für Werte präsentiert Objekte und Geschichten zu den vier Werten Respekt, Freundschaft, Toleranz und Freiheit. Über 80 Bürger*innen folgten einem Aufruf des Kunstmuseums Wolfsburg und sandten sehr persönliche, berührende, überraschende und auch verstörende Geschichten zu den vier Werten ein.
Es erstaunt weniger, dass ein Heißluftballon mit Freiheit zu tun hat, als die Geschichte der Ballonfahrerin selbst, die auch von weiblicher Emanzipation in einer von Männern dominierten Szene erzählt. Berührend ist die Geschichte hinter einer Aquarellserie, mit der der Tod eines Kindes sichtbar und den Eltern als Gesprächsauslöser hilft, das schwere Trauma zu bewältigen. Und zwei Kaffeebecher mit Helene Fischer- bzw. Guns N‘ Roses-Motiv zeugen weniger vom unterschiedlichen Musikgeschmack eines Paares, als von Respekt und Toleranz füreinander. Politische Aktualität wiederum haben mehrere Geschichten über Begegnungen mit Geflüchteten, die von der Erfahrung des Anderssein zur Entdeckung vom Gemeinsamkeiten Lernprozesse zeigen, die die essentielle Bedeutung von Werten und auch deren Wandel in der Gesellschaft aufzeigen.  

Museum für Werte:
EINE GESCHICHTE ÜBER FREUNDSCHAFT: DIE BLECHTASSE
„Meine Großmutter wurde im Jahr 1933 in einem Dorf in Polen geboren. Während des Zweiten Weltkriegs durchsuchten es deutsche Soldaten und fanden in einem Haus Alkohol aus eigener Produktion, was zu diesem Zeitpunkt verboten war. Die deutschen Soldaten holten daraufhin alle Bewohner*innen des Dorfs auf einem Platz und trugen den Männern auf, Löcher aus dem Boden zu heben. Nachdem sie die Gruben ausgehoben hatten, mussten sie sich an den Rand stellen und wurden einer nach dem anderen erschossen. Als mein Urgroßvater an der Reihe war, sagte er etwas auf Deutsch und wurde mit seiner Familie verschont. Allerdings nahmen die deutschen Soldaten sie mit nach Deutschland und rissen meine Familie auseinander.
Meine Großmutter und ihre Schwester kamen auf einen Bauernhof, um dort zu arbeiten. Die Tagesrationen reichten zwar zum Überleben, aber meine Großmutter litt großen Hunger. Eines Tages, gegen Ende des Krieges, sah meine Großmutter Rauchschwaden. Es waren amerikanische Soldaten, die verschiedene Gegenstände verbrannten. Ein junger Soldat aß Schokolade und trank aus der Blechtasse. Meine Großmutter schaute ihn mit großen Augen an, und als er sie in ihrem Zustand sah, reichte er ihr den Großteil seiner Schokolade und gab ihr etwas aus dem Becher zu trinken. Meine Großmutter war sehr dankbar für diese freundschaftliche Geste – ein Akt der Nächstenliebe – und bewahrte den Becher ihr Leben lang auf.“