Die Kunstvilla wurde 1895 von Emil (1860 – 1920) und Lilli Hopf erbaut. Emil Hopf entstammte einer angesehenen jüdischen Hopfenhändler- und Bankiersfamilie, die in der Blumenstraße 17 einst drei Villen besaß. Einzig die Kunstvilla hat die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden und stellt heute ein für Nürnberg einmaliges Denkmal des Historismus und der deutsch-jüdischen Geschichte dar.

In die Geschichte Nürnbergs gingen die Hopfs vornehmlich als Stifter für das Künstlerhaus und für das Mittelfränkische Blindenheim ein, daneben waren ihre einzelnen Mitglieder politisch, karitativ und kulturell tätig. Der Nationalsozialismus markierte das Ende der Familie Hopf in Nürnberg, die wie alle Bürger jüdischen Glaubens von Entrechtung, Enteignung und Verfolgung bedroht war. Ein Teil der weit verzweigten Familie konnte in die neutrale Schweiz, nach England, Amerika oder Israel emigrieren. Mit der Eröffnung der Kunstvilla im Jahr 2014 ergab sich schließlich ein enger Kontakt mit amerikanischen Nachfahren, der 2017 in die Stiftung eines historischen, um 1900 in Nürnberg entstandenen Papiertheaters mündete.

Papiertheater gelten als „play-stations“ des 19. Jahrhunderts und nicht nur Thomas Mann hat ihnen in dem Roman „Buddenbrocks“ ein prominentesliterarisches Denkmal gesetzt. Entstanden ab 1830 aus der bürgerlichen Theaterbegeisterung waren Papiertheater bis Anfang des 20. Jahrhun- derts ein von Generation zu Generation weitervererbter Mittelpunkt des Familienlebens.

Das Papiertheater der Familie Hopf hat eine wechselvolle Geschichte und dabei lückenlose Provenienz, weshalb es ein besonders einzigartiges Exponat darstellt. Innerhalb von vier Generationen wurde mit dem Papiertheater gespielt, das zuletzt vor allem zu Weihnachten und an Ostern im Familienkreis aufgebaut wurde. Es umfasst insgesamt acht Kulissenständer und 32 unterschiedliche Kulissen, 52 Soffittenhänger und mehr als 100 verschiedene Figuren.

Das Theater gehörte einst den zehn Kindern von Pauline Hopf (1853 –1922), die als Tochter von Stephan Hopf in der Blumenstraße 11 aufwuchs, und ihrem Mann Max Kohn (1841 – 1898), einem Kommerzienrat und Bankier. Die kinderreiche Familie wohnte in der Königstraße 41 in Nürnberg. Das Papiertheater ging später in den Besitz der zweitjüngsten, 1890 geborenen Tochter Ida über, die eine Cousine von Emil Hopf war.

Ida Hopf Kohn (1890 – 1969) zog 1910 anlässlich ihrer Eheschließung mit dem Anwalt Dr. Theodor Erlanger nach München, wo die beiden Töchter Renate und Liselotte 1913 respektive 1915 geboren wurden. Beide Mädchen erfreuten sich in den 1920er-Jahren an dem Papiertheater. Nach den Pogromen 1938 bereitete die Familie ihre Ausreise vor, indem sie ihren Besitz größtenteils verkaufte. Es gelang ihnen jedoch, das Papiertheater mit in die Emigration nach New York zu nehmen.

Zuletzt war es in Besitz von Renates Tochter Phyllis, deren drei Kinder alle noch Aufführungen gestalteten. Ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein, erfanden sie ihre eigenen Geschichten. In Amerika zog die Familie über verschiedene Bundesstaaten mehrfach um und jedes Mal wurde das Papiertheater mitgenommen. Zuletzt war es in Arizona eingelagert, bevor es der Kunstvilla gestiftet wurde.

Das nach der griechischen Muse der Dichtung und Unterhaltung benannteHopfsche Papiertheater „Thalia“ mit den auffälligen Frauenbüsten in den Nischen und dem imposanten Aufbau kann keinem namhaften deutschen Hersteller von Papiertheatern zugeordnet werden, jedoch ist es 1912 im Katalog des Spielwarengeschäfts Kurtz in Stuttgart unter der Artikelnummer 3050 ohne weitere Angabe abgebildet. In der vorliegenden großen Fassung von 78 cm Höhe kostete es damals 13,50 Mark, was heute ca. 125 Euro entspricht. Eventuell wurde es von der Nürnberger Spielwarenfabrik Bing gefertigt, die in der Blumenstraße gegenüber der Hopf-Villen eine Fabrik unterhielt. Die meisten vorhandenen Texthefte und Kulissen stammen indes aus dem Esslinger Verlag Schreiber, für den ab 1888 der Münchner Theatermaler Theodor Guggenberger (1866 – 1920) arbeitete. Die mit den Figurenbogen gelieferten Texthefte von meist 14 Seiten Umfang umfassten klassische Dramen, beliebte Theaterstücke wieden „Freischütz“ sowie Romane wie „Robinson Crusoe“, gegen Ende des19. Jahrhunderts auch Grimms Märchen wie „Rotkäppchen“ und „Dornröschen“, was den Durchbruch des Kindertheaters markierte. Die literarischen Vorlagen wurden dafür stark verkürzt und vereinfacht.

Mit dem Papiertheater der Familie Hopf kommt ein Stück Geschichte zurück nach Nürnberg, das nicht nur von der Theaterbegeisterung des 19. Jahrhunderts und der großbürgerlichen Kindererziehung erzählt, sondern auch von der Bedeutung deutscher Kultur für die jüdischen Emigranten, als deren Synonym das Papiertheater gelten kann.