Das Duo FORT, bestehend aus Alberta Niemann (*1982 in Bremen) und Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt am Main), entwirft mit seinen Arbeiten subtil entrückte Szenarien. Zwischen poetischen, humoristischen und unheimlichen Momenten schwankend, spielen FORTs Installationen oft mit einem Gefühl von Leere und Verlassenheit. Die beiden Künstlerinnen benutzen hierfür adaptierte Alltagsgegenstände, die im Ausstellungsraum ein Spannungsfeld zwischen Wiedererkennen und Befremden aufmachen. 

Mit Night Shift widmen sich FORT den Themen Nacht und Dunkelheit. Die unteren Räume des Kunstvereins werden ausschließlich von den Kunstwerken selbst beleuchtet. Der Titel  hat hierbei zweierlei Bedeutung. Zum einen verweist die wörtliche Übersetzung „Nachtschicht“ auf den Zeitabschnitt nächtlicher Arbeit und damit auf die Eroberung einer Tageszeit, die einst der Ruhe vorbehalten war. Erst mit Erfindung des elektrischen Lichts im 19. Jahrhundert konnte im Rahmen der Industrialisierung auch die Nacht als Raum für Produktivität, aber auch Vergnügen effizient nutzbar gemacht werden. Zum anderen spielt der Titel mit den Begriffen „Nacht" und „Verschiebung" und markiert somit einen Übergangsraum zwischen der Rationalität des Tages und dem Magischen der Dunkelheit, der von Sehnsüchten und Träumen bestimmt ist.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit dem Casino Luxemburg und entsteht mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, der Hamburgischen Kulturstiftung sowie der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst.

Das Duo FORT, bestehend aus Alberta Niemann (*1982 in Bremen) und Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt am Main), entwirft mit seinen Arbeiten subtil entrückte Szenarien. Zwischen poetischen, humoristischen und unheimlichen Momenten schwankend, spielen FORTs Installationen oft mit einem Gefühl von Leere und Verlassenheit. Die beiden Künstlerinnen benutzen hierfür adaptierte Alltagsgegenstände, die im Ausstellungsraum ein Spannungsfeld zwischen Wiedererkennen und Befremden aufmachen.

Mit Night Shift widmet sich FORT den Themen Nacht und Dunkelheit. Der Titel hat hierbei zweierlei Bedeutung. Zum einen verweist die wörtliche Übersetzung „Nachtschicht“ auf den Zeitabschnitt nächtlicher Arbeit und damit auf die Eroberung einer Tageszeit, die einst der Ruhe vorbehalten war. Erst mit Erfindung des elektrischen Lichts im 19. Jahrhundert konnte im Rahmen der Industrialisierung auch die Nacht als Raum für Produktivität, aber auch Vergnügen effizient nutzbar gemacht werden. Zum anderen spielt der Titel mit den Begriffen „Nacht" und „Verschiebung" und markiert somit einen Übergangsraum zwischen der Rationalität des Tages und dem Magischen der Dunkelheit, die von Sehnsüchten und Träumen bestimmt ist.

Die unteren Räume des Kunstvereins werden ausschließlich von den Kunstwerken selbst beleuchtet, die auf vielfältige Art und Weise von den Geschichten der Nacht erzählen. Eine verlassene Tankstelle steht zentral im Ausstellungsraum. Die Arbeit Open End (2017) operiert mit dem Gefühl von Vergänglichkeit und Leere. Ohne Zapfsäulen ist das Objekt seiner ursprünglichen Funktion beraubt und anstelle der eigentlichen Energielieferanten finden sich auf dem Boden ausgedrückte Zigaretten. FORT weckt mit der großen Installation ganz unterschiedliche Assoziationen. Tankstellen sind dem Mobilitätsimperativ verhaftet; häufig rund um die Uhr besetzt, liefern sie die Grundlage für das rastlose Treiben auf unseren Straßen und sind ein oft hektischer Transitort. Ebenso ist die Tankstelle ein prominentes Filmsetting, insbesondere im Roadmovie-Genre, wo die Protagonist*innen auf neue Figuren treffen und sich Konflikte und Handlungsstränge entwickeln. Verwaist und heruntergewirtschaftet im Nirgendwo ist sie wiederum im Horrorfilm ein beliebtes Motiv. Open Endfunktioniert aber nicht nur als Moment unterschwelliger Spannung, sondern auch als Symbol für die Langeweile des insbesondere kleinstädtischen Lebens, wo die Tankstelle für Jugendliche ein beliebter Treffpunkt ist, um gemeinsam unproduktiv zu sein und dem Abend zumindest ein wenig Unterhaltung abzuringen.

Die Eroberung der Nacht als speziell von elterlicher Kontrolle befreiter Raum ist eng mit dem Erwachsenwerden verknüpft. Das Verhandeln von Ausgehzeiten und Sperrstunden ist spätestens ab der Pubertät für die meisten ein alltägliches Ritual. Die Videoinstallation The Shining (2013), gemeinsam mit Anna Jandt entwickelt, zeigt eine Gruppe von Kindern zu düster wummernden Elektrobeats in einem Nachtclub tanzend. Die Besucher*innen werden selbst Teil einer skizzierten Clubszenerie, in der die Handlung beobachtet wird. FORT kontrastiert kindliche Unbekümmertheit mit einem Setting, das dieser grundlegend zu widersprechen scheint und doch mit ihr verbunden ist. Denn das nächtliche Treiben der Clubkultur bietet einen Raum, in dem gesellschaftliche und moralische Normen, die im Verlauf der Adoleszenz erlernt werden, nur teilweise umgesetzt oder gar ausgesetzt sind.
In der Arbeit Night Rider (2016) spielt FORT mit den Mysterien der Dunkelheit, mit der Vorstellung davon, was die Dinge um uns herum treiben, wenn wir schlafen gehen. Straßenpoller fahren wie von Geisterhand durch den unteren Ausstellungsbereich des Kunstvereins, wechseln dabei scheinbar wahllos ihre Richtung und kommen sich und den Besucher*innen in die Quere. Dabei führen sie ihre eigentliche Funktion als Leitsystem ad absurdum und verweisen auch auf ein Aussetzen von Ordnung bzw. ein sehr eigenes System von Regeln in der Nacht. So auch die Arbeit Air Walk (2016), die sich dem Phänomen „Shoefiti“ annimmt. Hierbei werden zusammengebundene Schuhpaare über Laternen, Bäume oder Stromleitungen geworfen, wo sie scheinbar sinnbefreit im Stadtraum baumeln. Die weltweite Bewegung der Straßenkunst wird wie auch ihr berühmter Verwandte, das Graffiti, hauptsächlich nach Einbruch der Dunkelheit praktiziert.
Die letzte gezeigte Arbeit Lonesome Raider (2015) macht das Publikum zu verstohlenen Komplizen in der Dunkelheit. In einem Snackautomaten liegt ein einsamer Schokoriegel der Marke „Raider“. Das Produkt wurde 1991 mit einer aufwändigen Werbekampagne in „Twix“ umbenannt, da die englische Bedeutung des Wortes „Raider“ (Räuber) zu negativ behaftet schien. FORT erhebt die längst nicht mehr genießbare Süßigkeit zum Objekt der Begierde und spielt ein doppeltes Spiel. Der Titel beschreibt nicht nur die wortwörtliche Ausstellungssituation, sondern auch den verlockenden Gedanken, unbeobachtet in der Dunkelheit den Schokoriegel zu kaufen und somit zum Kunstdieb zu werden.

Seit 2008 arbeiten Jenny Kropp und Alberta Niemann als Künstlerkollektiv FORT zusammen (bis 2013 mit Anna Jandt). Kropp studierte an der Hochschule für Künste Bremen und Niemann schloss ihr Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ab. 2016 erhielt das Kollektiv das Atelierstipendium in New York der Hessischen Kulturstiftung und 2012 das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium. 2014 war FORT Preisträger des Art Cologne Award for New Positions. FORT war in vielen Ausstellungen vertreten, unter anderem in der Kunsthalle Düsseldorf, dem KW Institute for Contemporary Art, Berlin, der Langen Foundation, Neuss, und der Kestnergesellschaft in Hannover.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit dem Casino Luxemburg und wird gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, die CORA-Kunststiftung unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung sowie der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst.

27.10.2018 - 27.01.2019

Night Shift: FORT

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23
20095 Hamburg