Die Hamburger Kunsthalle widmet erstmals dem zeichnerischen Werk der Künstlerin Lili Fischer (*1947) eine umfangreiche Ausstellung und präsentiert ca. 80 Werke aus den Jahren 1985 bis 2017. Seit den 1970er Jahren hat die Künstlerin das Konzept der Feldforschung, bekannt aus der Ethnologie und Soziologie, für die Kunst entdeckt. Durch Beobachten, Erforschen und Sammeln von Pflanzen, Tieren, Landschaften bis hin zum Haushalt untersucht sie Inhalte neu und belebt sie wieder.

Natur und Kunst – ganz im Sinne der Romantik – zu verbinden, das ist die Grundidee in Lili Fischers Werk. Ihr künstlerisches Schaffen ist eng mit der Sammlung der Hamburger Kunsthalle verknüpft: Der Anfang ihrer ganzen »Kunstüberlegung« war und ist geprägt von der hier vertretenen Romantik und den Bildern Philipp Otto Runges und Caspar David Friedrichs. Im Mittelpunkt steht für sie der Begriff der »Beseelung«, abgeleitet vom lateinischen Begriff »animare« (bewegen, beseelen). Wesentlicher Bestandteil dieser »Animation« ist die Partizipation, die Einbindung der Betrachter_innen, um Kreativität und Phantasie anzuregen. Lili Fischer führt ihre Zeichnungen meist mit Feder, Tusche, Bleistift, Kohle oder Wachskreide aus. Die Zeichnungen sind Studien, Skizzen und Collagen – aber auch Planungen ihrer Performances, die sie in sogenannten »Drehbüchern« zusammenfasst: »Alles beginnt mit der Zeichnung. Über das Zeichnen lerne ich die Torfstruktur, die Wolken, den Nachtfalter kennen. Über das Zeichnen erarbeite ich mir Choreographien, Raumteilungen und Zeitabläufe. Raupen sind für mich Zeichnungen, ebenso wie der Tanz.«

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein von Lili Fischer gestalteter Katalog (Verlag Kettler, 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen), der das gesamte Schaffen der Künstlerin dokumentiert. Die Publikation ist im Museumsshop zum Preis von 28 Euro erhältlich und kann online über www.freunde-der-kunsthalle.de bestellt werden.

Lili Fischer (*1947, Priwall bei Travemünde) lebt in Hamburg, wo sie in den 60er und 70er Jahren an der Hochschule für bildende Künste und an der Uni Hamburg Kunsterziehung, Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik studierte. Ab 1980 übte sie neben ihrem künstlerischen Schaffen Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten und Akademien aus. Von 1994 bis 2013 war Lili Fischer als Professorin für Performance und Feldforschung an der Kunstakademie in Münster tätig. Sie war auf der documenta 8 vertreten und hat verschiedene Preise erhalten – darunter aktuell im Jahr 2018 den MO-Kunstpreis »Dada, Fluxus und die Folgen« vom Museum Ostwall, Dortmund. Lili Fischers Kunst ist seit rund 50 Jahren deutschlandweit in Museen und Ausstellungshäusern vertreten. In der Hamburger Kunsthalle war zuletzt im Jahr 2008 die Werkgruppe der Schnaken zu sehen.