Die Literaturwissenschaftler Christa und Peter Bürger, langjährige Hochschullehrer an den Universitäten in Bremen und Frankfurt, bauten über Jahrzehnte eine umfangreiche Sammlung von Gemälden, Handzeichnungen und Druckgraphik auf. Schon vor einiger Zeit regelten sie ihr Vermächtnis. Während der schriftliche Nachlass an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach geht, sollen die Bilder in die Kunsthalle Bremen kommen. Nachdem Peter Bürger im August 2017 in Berlin gestorben war, beschloss seine Frau, einen Teil der Werke schon jetzt dem Museum zu übergeben. Eine Auswahl davon wird in diesem Jahr im Neuen Studiensaal des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle Bremen gezeigt.

Die Präsentation vermittelt einen Eindruck vom Spektrum der Sammlung: Neben international bekannten Künstlern der Nachkriegsmoderne wie Pierre Alechinsky, Joseph Beuys oder Horst Janssen konzentrierte sich das Sammlerpaar auf zeitgenössische Künstler, mit denen sie häufig in engem persönlichem Austausch standen. Maler und Graphiker aus Bremen und Umgebung spielten dabei eine wichtige Rolle. Davon zeugen die großen Konvolute an Werken von Pit Morell, vor allem aber von Norbert Schwontkowski, dessen Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik und Künstlerbücher einen besonderen Schwerpunkt der Sammlung Bürger bilden. Glanzstück ist das große Gemälde „Wir in dieser Drecksbrühe“, das nun in der Kunsthalle zu sehen ist.

Die Auswahl der gezeigten Werke lässt die „Signatur“ der Sammler erkennen: Die Werke stehen im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, zwischen breiter malerischer Geste und feiner Zeichnung im Detail. Auffällig oft sind Darstellungen auf prägnante Zeichen reduziert, häufig geht es um die Verbindung von Bild und Text. Thematisch kreisen die meisten Werke um den Menschen. Kopf und Körper ringen gegeneinander und verweisen auf die Gefangenheit des Geistes in einer äußeren Hülle. Bisweilen kommt dabei eine erschreckende, surreale Technik ins Spiel, manchmal blitzt dagegen hintersinniger Wortwitz auf. Allen Arbeiten ist eine ästhetische und zugleich inhaltliche Tiefe eigen. Sie spiegeln die Intensität und Freude der Auseinandersetzung, die Peter und Christa Bürger beim Leben mit ihrer Sammlung genossen haben.