Unter dem Titel NEW METALLURGISTS widmet sich die JULIA STOSCHEK COLLECTION erstmalig einer neuen Generation chinesischer Gegenwartskünstler*innen.

Die Idee zu dieser Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der chinesischen Künstlerin CAO Fei und dem Wissenschaftler und Kurator YANG Beichen entwickelt.

Seit den frühen 2000er-Jahren begleitet die JULIA STOSCHEK COLLECTION das Werk der in Peking lebenden Künstlerin CAO Fei. Neben ihrer raumgreifenden Installation Whose Utopia (2006) befinden sich noch drei weitere zeitbasierte Werke im Bestand der Sammlung. Diese Werke sind parallel in der Werkschau der Künstlerin im K21 in Düsseldorf (7. Oktober 2018 – 15. Januar 2019) zu sehen.

Ausgehend von den französischen Theoretikern Gilles Deleuze und Félix Guattari, die die Gewinnung und Verarbeitung von Metall, die sogenannte „Metallurgie“ als paradigmatisches Beispiel einer nomadischen Kunst bezeichnet haben, beschreibt die Ausstellung NEW METALLURGISTS den Künstler als neuen Metallurgen. Dem Kurator YANG Beichen zufolge ist diese Analogie naheliegend, da sich die Metallurgen nicht nur an den spezifischen Eigenschaften unterschiedlicher Materialen und deren Bearbeitung orientieren, sondern vielmehr hybridisieren und verschmelzen die Künstler in ihren Werken verschiedensten zeitgenössischen Themen.

„Die Arbeit der neuen Metallurgen überwindet alle Grenzen zwischen Wissen und Tun, sie sind transdisziplinäre Schaffende, die sich in ihren Arbeiten über die eigene Körperlichkeit hinwegsetzten. Es ist das Wirken an sich was die Ausstellung abzubilden versucht.“ (YANG Beichen)

So entstand eine Ausstellung mit 16 Werken von acht zeitgenössischen Künstler*innen aus China, die ihre pluralistische und global geprägte Weltanschauung reflektieren und deutlich machen, dass der vom exotischen Orientalismus geprägte Blick auf das klassische China obsolet geworden ist. Viele der Werke reflektieren diese neue Realität in der Sichtbarmachung einer Mulitdimensionalität von Zeitlichkeit. So kontrastiert beispielsweise der Künstler ZHENG Yuan in seiner Arbeit Dream Delivery (2018), welche in einem Shanzhai-Vergnügungspark gedreht wurde, das Konzept von Zeitlichkeit in einer verlangsamten Kulisse: Kuriere die sonst permanent in Eile sind, verwandeln sich in Statuen in dieser künstlichen Landschaft. Der Künstler macht durch die Verlangsamung seine eigene zeitliche Perspektive auf die Gesellschaft plastisch wahrnehmbar und visualisiert auf diese Weise die Schattenseiten des globalen Kapitalismus.

Auch ZHU Payne beleuchtet in dem Werk Competition of Spokesperson (2017) die wachsende wirtschaftliche Potenz Chinas. Die für sein Werk signifikante Auseinandersetzung mit den Produktions-und Kommunikationsmodi des Kapitalismus visualisiert ZHU Payne in dieser Arbeit über einen Werbefilm der fiktiven Sportmarke LIKE, deren Name an den Global Player NIKE angelehnt und hier kritisch-humoristisch verkehrt wird. Hierfür entwirft er ein eigenes Logo und Sportbekleidung. Afrikanische Immigranten fungieren, ähnlich afroamerikanischer Sportler in der kommerziellen Werbung, als Markenbotschafter dieser künstlichen Marke.

Der Künstler FANG Di kommentiert in seiner Arbeit Hit Me! (2013) den Einfluss afroamerikanischer Kultur auf die amerikanische Gesellschaft, indem sein Protagonist, ein schwarzer Tänzer, an einer Häuserzeile entlangspaziert und dabei immer wieder in einen improvisierten Tanz verfällt. Das Einbetten zeitgenössischer Themen in einen neuen Kontext ist bestimmend für das Werk des Künstlers. Der Tanz, die afroamerikanische Kultur, die amerikanische Gesellschaft und Geschichte – nichts von alledem gehört zur Kultur des Heimatlandes von FANG Di.

Die in NEW METALLURGISTS versammelten künstlerischen Beiträge verweisen auf ein futuristisches Verständnis von nichtlinearer Temporalität und Vitalität und legen offen, in welchen Grenzbereichen sich die Künstler*innen bewegen und danach streben, diese aufzusprengen.

Mit Werken von FANG Di, LIU Yujia, SHEN Xin, SONG Ta, WANG Tuo, YAO Qingmei, ZHENG Yuan, ZHU Payne.

Begleitend zu der Ausstellung erscheint eine Broschüre mit Texten von CAO Fei, YANG Beichen und Monika Kerkmann.


Öffnungszeiten:
Sonntags: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: julia-stoschek-collection.net