Seit dem Beginn ihrer Karriere in den 1970er Jahren nutzt die US-amerikanische Künstlerin Lutz Bacher ihr geheimnisvolles männliches Pseudonym. Das Versteckspiel, das sie damit seit Jahrzehnten spielt, ist hilfreich zum Verständnis ihres Werks. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach der Identität, nach Machtstrukturen und Gewalt, wobei ihre Kunstwerke immer mehrdeutig und geheimnisvoll bleiben.

Lutz Bacher, die in New York lebt, verwendet für ihre Arbeiten gefundene Objekte sowie Text- und Bildmaterial aus der Populärkultur, um den Einfluss der Massenmedien auf das alltägliche Leben in Gesellschaft und Politik zu verdeutlichen: Soundtracks aus Hollywoodfilmen, Requisiten aus Fernsehsendungen und unbearbeitete Handyvideos finden sich hier ebenso wie ausrangierte Gegenstände der Konsumwelt.

Durch Neuordnungen, Fragmentierung und Techniken der Entfremdung destabilisiert Bacher die Erscheinung und Wirkung ihres Materials, erzeugt Brüche und ermöglicht neue Konstellationen. Auch in ihrer Ausstellung What‘s Love Got to Do With It im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vereint Bacher scheinbar disparate Elemente, setzt sie miteinander in überraschend neue Beziehung und destabilisiert Form und Inhalt. Die insgesamt neun Arbeiten, die die Künstlerin seit 2013 geschaffen hat, sind in der Bel Etage und im Foyer des K21 zu sehen (7.9.2018 – 6.1.2019).

Durch ihr eklektisches Vorgehen und die konsequente Verweigerung eines wiedererkennbaren Stils stellt die Künstlerin überkommene Kategorien wie Original, Autorschaft und damit den Werkbegriff ebenso in Frage wie die Bedeutung und Funktion von Bildern und Sprache. Untitled (2017), eine vergrößerte und manipulierte Version der übertrieben großen Signatur des US-Präsidenten Donald Trump, bildet den Hintergrund einer sich wiederholenden räumlichen Anordnung, in der sich verschiedene Sprachebenen überlagern.

Auf großformatigen Bildschirmen ziehen in Open the Kimono (2018) und Black or White(2018) scheinbar flüchtig aufgezeichnete Notizen sowie vermeintlich bedeutungsvolle, von der buddhistischen Zen-Lehre inspirierte Sätze in einem endlosen Loop vorüber. Zusammen mit The Sea. Spies Like Us (2013), einer unverständlichen Geräuschkulisse aus montierten Tonspuren eines Spionagethrillers, verdichten sich diese Elemente zu einer von Ambivalenzen durchdrungenen Atmosphäre. Sie scheint durch den unaufhörlichen Strom an Informationen die Kakophonie des Alltags zu spiegeln.

Die Arbeiten von Lutz Bacher sind geprägt von einer Fülle von Unwägbarkeiten, verbinden Humor mit kritischer Schärfe und lassen zum Teil auch tragikomische Situationen entstehen, die die Fragilität unseres Daseins und die Paradoxien gesellschaftlicher Konventionen offenbaren. Inmitten einer den Cowboy-Mythos heraufbeschwörenden Kulisse verweist Vegas Pants (2018) auf den mittlerweile zum Klischee verkommenen amerikanischen Traum vom schnellen Glück – verkörpert durch mit Stroh ausgestopfte Schlafanzughosen.

Ein Beispiel für das andauernde Interesse der Künstlerin an den unklaren Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem ist Cyclops (2017), eine Anordnung von 26 Überwachungsspiegeln, die auf die Allgegenwart moderner Macht- und Disziplinierungstechniken verweisen. In der zentralen Halle des Museums wirken die Spiegel zunächst wie ein dekoratives Ornament, ermöglichen es jedoch zugleich, den umgebenden Raum aus einer Vielzahl neuer Perspektiven zu überblicken.

Immer wieder hat die Künstlerin das Ziel, durch essenzielle Gegensätze wie Schwarz und Weiß oder Verweise auf das Erhabene und das Alltägliche produktive Spannungen zu erzeugen: So erklingt stündlich auf der Piazza des K21 Music in the Castle of Heaven (2018), ein mit dem Smartphone aufgenommener Mitschnitt eines Kirchenkonzerts von Johann Sebastian Bachs populärem Orgelwerk „Toccata und Fuge in D-Moll“. Die vielfach zitierte und gesampelte Komposition füllt das gesamte Gebäude mit ihrem sakralen Klang und macht den Raum des Museums ästhetisch neu erfahrbar.

Lutz Bachers Werke verweigern sich dem Wunsch nach Lesbarkeit, sie bleiben stattdessen mehrdeutig und rätselhaft. Wo Zusammenhänge entstehen, werden sie im nächsten Moment wieder aufgelöst. Was bleibt, ist die Aufforderung, den Widersprüchen und Ambiguitäten der konkreten Erfahrung zu begegnen und diese eigenständig zu deuten.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag (Feiertag): 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

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