Ascher lebte in Berlin und Potsdam, er überlebte zwei Weltkriege und die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Mit der Ausstellung „Leben ist Glühn – Der Expressionist Fritz Ascher“ setzt das Kallmann-Museum seine Auseinandersetzung mit Künstler*innen fort, die wie der Museumsgründer Hans Jürgen Kallmann Opfer der nationalsozialistischen Kunstpolitik wurden. Die Ausstellung stellt das vielfältige Schaffen Aschers mit einer repräsentativen Auswahl von rund 70 Gemälden und Zeichnungen umfassend vor und lädt damit zur Wiederentdeckung des ehemals verfemten und lange Zeit vergessenen Künstlers ein.

Fritz Ascher wurde 1893 in Berlin-Zehlendorf als erstes Kind einer assimilierten jüdischen Familie geboren, die ihre Kinder 1901 evangelisch taufen ließ. Er studierte an der Kunstakademie in Königsberg und zog schließlich wieder zurück nach Berlin, wo er unter anderem bei Lovis Corinth studierte und von Max Liebermann gefördert wurde. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde er mit Ausstellungsverbot belegt, 1938 kurze Zeit im KZ Sachsenhausen interniert, anschließend im Potsdamer Polizeigefängnis. Die folgenden Jahre bis 1945 überlebte er in einem Kellerversteck im Berliner Grunewald. In dieser Zeit der Isolation und Angst vor der drohenden Deportation konnte Ascher nicht mehr malen, schrieb aber zahlreiche Gedichte, die in Auszügen in der Ausstellung präsentiert werden.

Auch wenn Teile seines Frühwerks wenige Tage vor Kriegsende bei einem Bombenangriff zerstört wurden, zeigen die erhaltenen Arbeiten Aschers ein eindrucksvolles künstlerisches Schaffen, das unterschiedliche Themenbereiche umfasst. So interessierte Ascher sich für religiöse und mythologische Themen, die er in expressionistisch geprägten, allegorischen Werken bearbeitete, in denen immer wieder auch symbolistische Töne anklingen. Ascher schuf aber auch eindrucksvolle Bilder menschlicher Qualen, die die innere Zerrissenheit des Malers widerspiegeln. Daneben finden sich humorvolle, der Karikatur verwandte Werke sowie eine ganze Reihe von Arbeiten, die aus der Welt der Musik, des Theaters, der Oper, aber auch des Sports stammen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann Fritz Ascher wieder zu malen. Er überarbeitete zunächst frühere Gemälde, bevor er sich nahezu ausschließlich der Natur zuwandte. Ascher lebte in dieser Zeit zurückgezogen und mit großer Scheu vor anderen Menschen, verbrachte aber viel Zeit auf ausgedehnten Spaziergängen durch die Wälder des Grunewalds. Aus dieser Nähe zur Natur entstand sein Spätwerk, in dem er dramatische Bilder von Blumen, Sonnenuntergängen und hügeligen Wiesen malte, die als Seelenbilder eines Künstlers erscheinen, der zwischen kreativen Phasen und Phasen tiefer Verzweiflung schwankte.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:30 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kallmann-museum.de