Mit „Baden Baden Baden“ präsentiert die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden die erste institutionelle Einzelausstellung von Nicole Eisenman in Deutschland. 

Im Mittelpunkt der umfangreichen Schau steht das skulpturale Werk der 1965 im französischen Verdun geborenen Künstlerin, welches erstmals in dieser fokussierten Weise präsentiert wird. So werden mehr als 20 Skulpturen aus den letzten Jahren gezeigt, darunter 12 neue, eigens für Baden-Baden geschaffene Arbeiten. Diese werden flankiert von Gemälden, einer Videoarbeit und Holzreliefs.

Sechs Bronzeköpfe unterschiedlicher Größe eröffnen den Ausstellungsparcours. Sie belegen Eisenmans Vorliebe für schwarzen Humor sowie für die Textur und das experimentelle Spiel mit unterschiedlichen Materialien - etwa Bronze, Aluminium oder Gips - und deren Wirkung. Keine Oberfläche gleicht der anderen, die eine ist fein poliert, die andere erscheint grob. Während manche der Physiognomien differenziert ausgearbeitet sind, bleiben andere abstrakt oder sind gar comichaft verzerrt. Ein Kopf kann sogar wie ein außer Kontrolle geratener Brunnen Wasser speien, ein anderer Rauchwolken aufsteigen lassen.

Nicht wenige der neuen Arbeiten lassen sich zudem als Reflexion auf die aktuelle US-amerikanische Situation unter Präsident Donald Trump verstehen. So ist in Baden-Baden ein sechs Meter langer mit Gips ummantelter Fahnenmast zu sehen, der zerbrochen auf dem Boden liegt. Die Flagge, die einst stolz im Wind wehte, ist nicht mehr vorhanden, und der Adler als Wappentier hat seinen erhabenen Platz verloren und ist in eine Kiste gewandert: ein materialisiertes Antimonument, von Nicole Eisenman in feiner Balance zwischen Galgenhumor und Tragik formuliert.

Seit ihrem Durchbruch in der New Yorker Kunstszene in den 1990er Jahren zählt Nicole Eisenman zu den wichtigen Stimmen ihrer Generation. Zunächst als Künstler-Künstlerin und Geheimtipp geschätzt, gehört sie heute zu den wenigen anerkannten Künstlerinnen, die unter den kommerziell erfolgreichen männlichen Malern mitmischen. ?So ist es für Eisenman ein großes Anliegen, ihr Interesse an der Skulptur in den Fokus ihrer Schau „Baden Baden Baden“ zu stellen. 

Ihre Werke - großformatige Gemälde, Zeichnungen, Videos und Skulpturen - sind bestimmt durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte, Kunstgeschichte und Popkultur und haben einen ganz eigenen Humor. Virtuos spielt Nicole Eisenman mit Elementen aus den verschiedensten Zeiten, sie zitiert die Renaissancemalerei ebenso wie moderne Tendenzen und setzt dabei gezielt auch auf eine Antiästhetik und eine gewisse Rotzigkeit. Zudem vereint sie Politisches und Privates, Hoch- und Subkultur. So entstehen faszinierend narrative Werke mit eigenen formalen wie handwerklichen Setzungen. 

Nicole Eisenman (*1965 in Verdun, Frankreich) lebt in New York City (USA). In Deutschland erregte sie zuletzt Aufsehen mit ihrer spektakulären Brunnenanlage für die Skulptur Projekte Münster (2017).

Nicole Eisenman ist die diesjährige Brenners Artist in Residence. Unser herzlicher Dank gilt dem Brenners Park Hotel & Spa.  

Katalog:
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, mit Texten der Künstlerin Hannah Black und des Kurators Hendrik Bündge sowie Fotografien von Ryan McNamara.