Im Rahmen der HANNAH ARENDT TAGE, die diesjährig das Thema Protest in den Mittelpunkt stellen, zeigt das Sprengel Museum Hannover eine Einzelausstellung des Künstlers Benjamin Bergmann.

Oberbürgermeister Stefan Schostok: „Vielfältig, aktuell und kritisch: Auch in diesem Jahr sind die HANNAH ARENDT TAGE mit dem Thema „Protest“ wieder ganz dicht am Puls der Zeit. Mit hervorragenden Referentinnen und Referenten aus Kunst, Wissenschaft und Politik, wie Benjamin Bergmann, Milo Rau und Daniel Cohn-Bendit, nähern wir uns dem Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Mit dem neuen Format des Hannah-Arendt-Meeting space laden

wir zur interaktiven Auseinandersetzung mit Protestbewegungen im Netz ein. Besonders freue ich mich über die Neugestaltung des Hannah-Arendt-Raums in der Stadtbibliothek Hannover, die mit einer modernen Präsentation die zeitlos kluge politische Denkerin und große Tochter unserer Stadt würdigt.“

Der Titel der Ausstellung „The Revolution Will Not Be Televised“ (Die Revolution wird nicht im Fernsehen übertragen werden) bezieht sich auf einen legendären Song aus den frühen 1970er-Jahren des afroamerikanischen Musikers und Poeten Gil Scott-Heron. Der kapitalismuskritische Text dieses Musikstücks fokussiert die durch das Fernsehen geprägte materialistische und konsumorientierte Gesellschaft und ist gleichsam als ein Appell für Freiheit, Wandel und politische Gegenwehr zu verstehen.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine Lichtinstallation, die aus fünf, in einzelne Betonfundamente gegossenen Bühnenscheinwerfern besteht. Das Statement „The Revolution Will Not Be Televised“wird hier in Form einer eindringlichen Lichtdramaturgie – übertragen in Morsezeichen – als helle Lichtblitze kontinuierlich an die Wand geschossen und auf diese Weise als stetig wiederkehrende Botschaft inszeniert. Dem gegenüber steht „Der Traum von einer großen Sache“ – ein großformatiges Tableau aus goldenen Spiegeln, bestehend aus Fassadenscheiben des damaligen Palastes der Republik in Berlin, dem ehemaligen Symbol des gescheiterten politischen DDR-Regimes. Der symbolisch aufgeladene Raum bildet auf diese Weise einen Dialog, der sowohl auf die Geschichte der Unterdrückung als auch der Revolte rekurriert und damit die Frage nach heutigen Formen des Protestes und der Gegenwehr stellt.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes präsentiert das Sprengel Museum Hannover auch das an die ortsspezi schen Gegebenheiten angepasste Werk „Beben“, das 2006 anlässlich einer Einzelausstellung des Künstlers am Königsplatz in Zusammenarbeit mit dem Lenbachhaus, München, entstand. Als skulpturales Objekt mit dem Titel „Beben, restauriert 2018“ in Form eines großen Klangtrichters auf der Museumsstraße, in unmittelbarer Nähe zum Ausstellungsraum, wird es mit einem akustischen ‚Beben‘ den musealen Raum stündlich erschüttern und die Aufmerksamkeit der Besucher durch diese metaphorisch abstrakte Intervention intensivieren.

Geplant ist eine Publikation, die die Installation der Ausstellung dokumentiert, die einzelnen Arbeiten und Objekte beschreibt und in einem Künstlerinterview inhaltliche Bezüge und die künstlerische Haltung deutlich macht. Benjamin Bergmann (geb. 1968) lebt und arbeitet in München. Das Credo seiner „gebauten Bilder“, die seit den 2000er-Jahren als Installationen, Objekte, Modelle und Fotogra en im öffentlichen und institutionellen Raum in Erscheinung treten, ist ein inhaltliches und ästhetisches Ausloten von Grenzen, die dem Betrachter aufgrund ihrer Eindringlichkeit eine physische und mentale Erfahrung offerieren.