›Evoking Reality‹ stellt Positionen politischer Fotografie und Videokunst aus der Daimler Art Collection (DAC) vor, die Neukonzeptionen aktueller Realitätsbilder formulieren. Beginnend in den frühen 1990er Jahren erweiterte die DAC ihren Sammlungsschwerpunkt um Werke der Neuen Medien: Fotografie, Video, Objektkunst und installative Arbeiten. Die Neuerwerbungen wurden in der dreiteiligen Ausstellungsreihe ›Photography, Video, Mixed Media I-III‹ zwischen 2003 und 2007 im Berliner Ausstellungsraum Daimler Contemporary vorgestellt. Dieser Fokus auf Fotografie und Video ist seither intensiv weiterverfolgt worden. Die Sammlung umfasst heute ein stetig wachsendes Konvolut bedeutender Arbeiten, die zeitgenössische Perspektiven auf globale Thematiken und politische Konflikte visualisieren.

Die Ausstellung ›Evoking Reality‹ widmet sich zeitgenössischen Strategien, die sich von etablierten Darstellungsprinzipien und gängigen Narrativen des Fotojournalismus distanzieren, um ein offenes Wirklichkeitsbild entstehen zu lassen, das auf eine kritische Sensibilisierung des Betrachters zielt. Angesprochen wird ein kritisches Bewusstsein bezogen auf mediale Vermittlungs- und Darstellungsweisen, die das Auge mittels wiederkehrender Leidensbilder und Gewaltszenen seit Jahrzehnten prägen. Ausgehend von einer Re-Lektüre der Publikation ›Das Leiden Anderer betrachten‹ (2005) von Susan Sontag befasst sich die Ausstellung ›Evoking Reality‹ mit aktuellen medialen und konzeptuellen Herangehensweisen an politische, öffentliche und daraus resultierende private Konfliktsituationen. Das Ineinanderblenden von Fiktion, Inszenierung, Konstruktion und Realität verunsichert den Betrachter, der jene Verfremdungsstrategien zugleich unerwartet als realitätsstiftendes Moment erfährt. Offenheit und Vieldeutigkeit fordern den Betrachter auf, sich das Geschehen selbst zu erschließen, visuelle Impulse zu reflektieren und teils auch intellektuell zu revidieren. Wirklichkeit wird als fragiles Konstrukt erfahren, das aus unterschiedlichen Perspektiven stets seine Gestalt ändert. Die Werke dieser Ausstellung evozieren ein Realitätsmoment, das eben durch Vieldeutigkeit, Widersprüchlichkeit, Interkonnektivität und Relativität unsere globale Lebensrealität greifbar werden lässt.

Die jüngst erworbene zwölfteilige Fotoserie Congo Democratic (2006) von Guy Tillim, der 2004 Preisträger des  ›Mercedes-Benz Award for South African Art and Culture‹ war, wird erstmals in Berlin zu sehen sein. Zudem bilden fotografische Arbeiten u.a. von Jane Alexander, Clément Cogitore, Tacita Dean, Cao Fei, Pieter Hugo, Maya Zack und die Videoinstallationen Snow White (2001) von Bernie Searle, Mermaids [Erasing the Border of Azkelon] (2011) von Sigalit Landau sowie The amorous Indies (2017) von Clément Cogitore Schwerpunkte der Ausstellung.

›Evoking Reality‹ präsentiert Werke von sechzehn Künstlerinnen und Künstlern aus zehn Nationen:
Mustafah Abdulaziz (USA), Jane Alexander (ZA), Clément Cogitore (F), Tacita Dean (GB), Alia Farid (KWT), Cao Fei (CHN), Abrie Fourie (ZA), Pieter Hugo (ZA), Sigalit Landau (IL), Richard Mosse (IRL), Viviane Sassen (NL), Oskar Schmidt (D), Berni Searle (ZA), Guy Tillim (ZA), Sharif Waked (IL/PS), Maya Zack (IL)

Kuratiert von Renate Wiehager und Nadine Isabelle Henrich.

Pieter Hugo, Untitled, Agbogbloshie Market, Accra, Ghana, 2010. © Pieter Hugo, Courtesy Priska Pasquer, Cologne
25.11.2018 - 05.05.2019

Evoking Reality. Konstitution von Wirklichkeit in Fotografie und Videokunst

Daimler Contemporary Berlin

Alte Potsdamer Straße 5
10785 Berlin