Vor 50 Jahren: Die Ereignisse, die heute unter der Chiffre „68“ zusammengefasst werden, markieren in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einen bedeutsamen Einschnitt. Mit Protesten gegen die starren Verhältnisse fordern junge Menschen – in Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA oder Italien – die bürgerliche Demokratie heraus. Politik, Wohnen, Sprache, Kunst, Kultur, Sexualleben und Musik: All dies steht auf dem Prüfstand und wird nachhaltig beeinflusst.

Das Kölnische Stadtmuseum nimmt jetzt mit der Sonderausstellung „KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation.“ erstmals die vielschichtigen Ereignisse und Entwicklungen in Köln rund um das Jahr 1968 in den Fokus. Die gemeinsam mit dem Historischen Institut der Universität zu Köln kuratierte große Jubiläumsschau begibt sich auf eine spannende Spurensuche. Eindrucksvolle Originalobjekte, Filmausschnitte und Zeitzeugeninterviews erzählen von einer Zeit des Aufbruchs, von Konflikten, neuen Protestformen, sich wandelnden Moralvorstellungen, provokanter Kunst und Musik – und zeigen eine Stadt im Ringen mit sich selbst. Die Ausstellung ist vom 20. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019 im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen.

KÖLN 68!
„Berlin brennt, Köln pennt!“: So spotten Studierende aus anderen Universitätsstädten mit Blick auf Köln. Tatsächlich fallen die Proteste und Demonstrationen hier im Vergleich zu Städten wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin weniger aufsehenerregend aus. Aber auch in Köln artikuliert man sich und seine Forderungen lautstark, auch hier kommt es zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht.

Protest
Tausende Flugblätter flattern 1968 aus den Druckerpressen der Kölner Studierenden. Hörsäle werden blockiert, Eier geworfen. Ein ganzes Semester lang wird gestreikt und so die konservativen Eliten durcheinandergebracht. Doch nicht nur die Studierendenschaft geht auf die Barrikaden. Ob beim Politischen Nachtgebet in der Antoniterkirche, im Republikanischen Club im Römerturm, in den Kunstgalerien oder in den Industriebetrieben, ob Schülerinnen und Schüler, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter oder Kunstschaffende – der Protest ist in der Stadtgesellschaft allgegenwärtig.

Pop
Mode und Musik prägen die Protestbewegung und geben ihr ihren eigenen unverwechselbaren Stil und Soundtrack. In Köln entsteht eine lebendige und bunte Subkultur. Jugendliche und Studierende tanzen in Bars und Clubs zu Beat- und Rockmusik. Die Kölner Band CAN revolutioniert die Musik und erlangt Berühmtheit weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Provokation
Ihr Sprachrohr entdeckt die Kölner Protestbewegung auch in der Kunst. Ob XSCREEN, Heinrich Böll, Rolf Dieter Brinkmann, Wolf Vostell, Joseph Beuys oder Mary Bauermeister, ob der „Neumarkt der Künste“ oder die Ausstellung „Happening & Fluxus“: Die Kölner Kunstszene dieser Zeit ist in Bewegung und Aufruhr – und sie provoziert. Köln wird zu einem Epizentrum der neuen Kunstbewegung.

Begleitband und Sponsoren
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Begleitband: Michaela Keim/Stefan Le-wejohann (Hrsg.): KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation. Mainz 2018, Nünnerich-Asmus Verlag, ISBN 3961760489. Begleitband und Ausstellung werden unterstützt von der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln und den Freunden des Kölnischen Stadtmuseums e. V.

Begleitprogramm und Oral History-Projekt
Ein vielfältiges Begleitprogramm (mit Zeitzeugenführungen, Stadtexpeditionen, Filmabenden, Vorträgen und vielen anderen Formaten) ergänzt die Ausstellung. An der Universität zu Köln findet zudem parallel eine von Studierenden des Masterstudienganges Public-History organisierte Vortragsreihe „Mehr als 1968: die 1960er-Jahre in Köln“ statt.

Anlässlich der Sonderausstellung haben Studierende des Masterstudienganges Public-History zehn Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt. Die Ergebnisse sind in der Ausstellung zu sehen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der von Studierenden erstellten Internetseite www.koeln68.de.

Bei einem Pressegespräch am Freitag, 19. Oktober 2018, 11 Uhr, stehen für Fragen zur Verfügung: Susanne Laugwitz-Aulbach, Beigeordnete für Kunst und Kultur der Stadt Köln, Dr. Mario Kramp, Direktor Kölnisches Stadtmuseum, Prof. Dr. Habbo Knoch, Historisches Institut der Universität zu Köln, Christian Brand, Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln, Michaela Keim, Kuratorin Universität zu Köln, Stefan Lewejohann, Kurator Kölnisches Stadtmuseum, und Dr. Annette Nünnerich-Asmus, Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH.


Öffnungszeiten:
Dienstag: 10:00 - 20:00 Uhr 
Mittwoch - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Feiertage: 10:00 - 17:00 Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat: 10:00 - 22:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: koelnisches-stadtmuseum.de

Polizeieinsatz bei der KVB-„Schlacht“ (Privatarchiv Kurt Holl / Foto: B. J. Wiersch)
20.10.2018 - 24.02.2019

KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation.

Kölnisches Stadtmuseum

Zeughausstr. 1-3
50667 Köln