Mit der neuen Sonderausstellung „Schatten im Blick?“ begibt sich das Wallraf auf Spurensuche nach einem besonders flüchtigen und schwierig darzustellenden Zeitgenossen: dem Schatten. Es ist eine geschichtliche Entdeckungsreise, die in der frühen Neuzeit beginnt und bei der die Besucher auf Werke von Meistern wie Dürer, Rembrandt und Saenredam treffen. Die Ausstellung wird kuratiert von dem Konzeptkünstler und Kunsthistoriker Tim Otto Roth, der sich schon seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt.

Nach dem Mittelalter, das den Schlagschatten gänzlich aus seinen Bildern gebannt hatte, begannen sich Künstler wie Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer eingehender mit der geometrischen Konstruktion von Schatten zu beschäftigen. Doch erst im 17. Jahrhundert entwickelte man allmählich auch ein theoretisches Verständnis, das die besonderen Projektionsverhältnisse im Sonnenlicht berücksichtigte.

Die Entwicklung der Schattendarstellung anhand von Graphiken nachzuvollziehen, unterscheidet sich von bisherigen an der Malerei orientierten Ansätzen, da gerade die Graphik auch als Illustrationsmedium eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft schlägt. Mit einem geschärften Blick für projektive Verhältnisse bringt die Ausstellung auch zahlreiche Kuriositäten zum Vorschein: Am rätselhaftesten dürfte dabei Jan Saenredams graphische Interpretation vom „Platonischen Höhlengleichnis“ sein.

Oder um es mit den Worten von Künstler und Kurator Tim Otto Roth zu sagen: „In Anspielung an Platon kann man von „gar wunderlichen“ Bildern sprechen. Die Vorbereitung der Ausstellung war für mich eine Entdeckungsreise, bei der ich mich stetig gewundert habe über die Darstellungsweise von Schlagschatten und vor allem darüber wie Schatten zum Verschwinden gebracht werden.“