Bettina von Arnim, Thomas Bayrle, KP Brehmer, Klaus Dennhardt, Christa Dichgans, Frieder Heinze, Wasja Götze, Jürgen Jentzsch, Joachim Jansong, Almut Heise, Detlef Lieffertz, Ingo Kirchner, Konrad Klapheck, Konrad Lueg, Oskar Manigk, Wolfgang Petrovsky, Sigmar Polke, Robert Rehfeldt, Ruth Wolf-Rehfeldt, Gerhard Richter, Jürgen Schieferdecker, Klaus Staeck, Erika Stürmer-Alex, Hans Ticha, Dieter Tucholke, Wolf Vostell, Willy Wolff, Lambert Maria Wintersberger, Helmut Zielke

Im Rahmen der Ausstellung "REAL POP 1960-1985" zeigt das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) vom 18. November 2018 bis zum 17. Februar 2019 in Frankfurt (Oder) 140 Arbeiten von rund 30 KünstlerInnen aus dem geteilten Deutschland.

ES GEHT UM POP!
"REAL POP 1960-1985" ist die erste Ausstellung, die künstlerische Positionen aus DDR und BRD dialogisch und kontrastreich miteinander verknüpft und dabei reichlich visuellen Diskussionsstoff bietet. In selten gesehener Bandbreite gibt sie einen Überblick über den künstlerischen Umgang mit historisch gegensätzlichen Referenzsystemen und deren gesellschaftlichen sowie politischen Strukturen. Die Ausstellung stellt aber nicht nur gegenüber, sondern geht auch Schnittstellen und Gemeinsamkeiten auf den Grund.

Mit Witz, Ironie und dabei durchaus auch mit kritischem Ansatz beschäftigten sich die rund 30 KünstlerInnen aus Ost und West zwischen 1960 und 1985 mit neuen Formen von Populärkultur, von Produktion und Konsum, von Alltag und Freizeit. Hierzu gehörte ein Hinterfragen von staatlichen Machtkonstellationen genauso wie Kritik an herkömmlichen Geschlechterrollen, an militärischer Aufrüstung oder der verdrängten Geschichte des Nationalsozialismus. So unterschiedlich die Perspektiven in der DDR und der BRD dabei auch waren - eines hatten die KünstlerInnen in Ost und West gemeinsam: Den ebenso spielerischen wie kritischen Blick auf Alltagswirklichkeiten, und zwar indem sie diese zitierten und so auf einer Metaebene kommentierten.

DIE THEMEN
Mit Arbeiten von „Agit Pop“ über „Neo-Dada“ bis zum „Kapitalistischen Realismus“ umfasst die Ausstellung ein breites Spektrum. Sie ist in thematische Schwerpunkte gegliedert, um sich den unterschiedlichen Bildsprachen der ausgestellten KünstlerInnen aus mehreren Blickwinkeln anzunähern (z.B. „Stellvertreter der Macht“, „Rollen, Muster & Schablonen“, „Agitatoren & System“, „Alltag“, „Arbeit“).

OST, WEST UND DAZWISCHEN
Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die jeweiligen Referenzen auf ostdeutsche bzw. westdeutsche Populärkulturen, die zwangsläufig ganz unterschiedliche Ausprägungen hatten. In der BRD reagierte die Adaption der amerikanischen Pop-Art auf popkulturelle Phänomene, die mit dem Wirtschaftswunder in den westdeutschen Alltag eingezogen waren: Werbung, Massenmedien und Comics. Vertreter des Kapitalistischen Realismus wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Konrad Lueg oder Manfred Kuttner wendeten sich auf ganz neue Weise einer figürlichen Malerei zu.

In der planwirtschaftlichen DDR war ein entsprechendes Konsumfeld nicht im selben Maß als künstlerischer Stein des Anstoßes vorhanden. Hier nahmen stattdessen Hans Ticha, Willy Wolff, Wasja Götze, Jürgen Jentzsch, Ingo Kirchner und viele andere KünstlerInnen die sozialistische "Wunderwirtschaft" und die Bildsprache der allgegenwärtigen staatlichen Propaganda subversiv aufs Korn: Aus Agitprop wurde Agit Pop.

Während in der BRD durch Pop die Figuration wieder Einzug in die Kunst hielt, diente Pop in der DDR unter ästhetischem Bezug auf die klassischen Avantgarden vermehrt der Abstraktion. In Bildern wie „Redner II“ (1981) und „Fröhliche Jugend“ (1980) grenzten sich Hans Ticha und zusammen mit ihm viele andere KünstlerInnen inhaltlich und formal klar vom zeitgleich existierenden Sozialistischen Realismus ab. Mit hyperrealistischen Darstellungen sorgte der staatlich subventionierte Sozialistische Realismus als offiziell anerkannte „Kunstform“ der DDR für eine Idealisierung des Sozialismus und seiner Ziele.

Der ostdeutsche Maler Willy Wolf hatte auf Reisen nach England bereits in den fünfziger Jahren Kontakt zur britischen Pop-Art. So stehen seine Arbeiten auch exemplarisch dafür, dass sich die kritische Kunst in der DDR analog zu Tendenzen im Westen entwickelte.

UNENTDECKTES UND WELTWEIT BEKANNTES
Im Rahmen der Ausstellung "REAL POP 1960-1985, Grafik und Malerei, Zwischen Agit Pop und Kapitalistischem Realismus " ist es aufgrund des großen Museumsbestandes möglich, neben weltweit bekannten auch unbekanntere Arbeiten zu zeigen, die z.T. erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Neu zu entdecken gilt es beispielsweise die beiden ostdeutschen Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Ruth Wolf-Rehfeldt, die sich in Werkphasen über mehrere Jahre hinweg der POP-ART besonders im Format der Collage genähert haben, sowie die Hamburger Künstlerin Almut Heise mit Reflexionen über die starre konservative Kleinbürgerlichkeit der westdeutschen Nachkriegszeit. Zu den bekannteren Namen zählen die der ostdeutschen Künstler Hans Ticha, Wasja Götze und Willy Wolff, die auch als die "Trias des ostdeutschen Pop" bezeichnet werden. Die Bilder von Wasja Götze stecken voller Witz und Ironie und sind oft collagenhaft zusammengesetzt aus banalsten Elementen des Alltags und zeichenhaften Versatzstücken politischen Zeitgeschehens. Willy Wolf gilt als Vertreter einer eher leisen ostdeutschen "Pop-Art". „Lenin zum 100. Geburtstag“ (1970) ist sein wohl berühmtestes Werk.

WEITERE FAKTEN
Mit 42.000 Kunstwerken, von denen etwa 75% aus der Zeit der DDR stammen, verfügt das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst an seinen beiden Standorten Cottbus und Frankfurt (Oder) über den umfang- und facettenreichsten Bestand an Kunst aus der DDR, wobei Arbeiten des Sozialistischen Realismus keine Rolle spielen. Wesentliche Werkkomplexe der Ausstellung entstammen der Sammlung des BLMK, hinzukommen Leihgaben namhafter Museen und Privatsammlungen ebenso wie die einzelner KünstlerInnen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Wasja Götze, Hände weg vom Dompfaff, 1970 © Wasja Götze?
18.11.2018 - 17.02.2019

Real Pop 1960-1985

Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst / Rathaushalle Frankfurt

Marktplatz 1
15230 Frankfurt (Oder)