Die Galerie Stihl Waiblingen, die 2018 ihr zehnjähriges Bestehen feiert, beschließt ihr Jubiläumsjahr mit einer außergewöhnlichen Ausstellung zum Thema Graphic Novel. Präsentiert werden Originalzeichnungen, Probedrucke und Skizzen von siebzehn herausragenden Comic-Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum, darunter national wie international ausgezeichnete Vertreter des Genres.

Die Galerie Stihl Waiblingen zeigt vom 29. September 2018 bis 6. Januar 2019 die Ausstellung Graphic Novels. Aktuelle deutsche Comic-Romane und rückt damit ein Medium in den Fokus, das zunehmend von den Feuilletons großer Tages- und Wochenzeitungen wahrgenommen und besprochen wird. Graphic Novels stellen mit ihrer Verbindung von Text- und Bildelementen eine Untergruppe des Comics dar. In der künstlerischen Gestaltung sowie in der Komplexität ihrer Inhalte erweitern sie jedoch den klassischen Comic um eine neue Dimension. Als in sich abgeschlossene romanhafte Erzählungen mit literarischem Anspruch richten sie sich an ein vorwiegend erwachsenes Publikum.

Die Ausstellung stellt siebzehn national wie international bedeutende Vertreter sowie eine Auswahl herausragender Newcomer der deutschsprachigen Graphic-Novel-Szene vor: Max Baitinger, Paula Bulling, Anke Feuchtenberger, Anna Haifisch, Hans Hillmann, Jakob Hinrichs, Lukas Jüliger, Reinhard Kleist, Isabel Kreitz, Olivier Kugler, Antonia Kühn, Ulli Lust, Nicolas Mahler, Felix Pestemer, Sonja Schlappinger, Birgit Weyhe und Barbara Yelin. Mit über 300 Exponaten – Originalzeichnungen, Probedrucken, Skizzen und Storyboards – lädt die Schau die Besucher dazu ein, einen exklusiven Einblick in die Entstehung der Bücher zu nehmen und die Absichten und Arbeitsweisen der Künstlerinnen und Künstler kennenzulernen. Eindrucksvoll zeigen sich deren vielfältigeGestaltungsmittel, Erzählweisen und zeichnerischen „Handschriften“. Imposante Bildwelten von verblüffendem Detailreichtum treffen auf pointiert verknappte Schwarz-Weiß-Szenen und farbintensive, expressive Grafiken. Im großzügig gestalteten Lesebereich der Ausstellung haben die Besucher zudem die Möglichkeit, sich in die Comic-Romane zu vertiefen.

Die inhaltliche Bandbreite der vertretenen Graphic Novels reicht von der Kriminalgeschichte über die Coming-of-Age-Erzählung bis hin zu tagesaktuellen und historischen Themen. Mehrere der vertretenen Comic-Künstler setzen sich in ihrer Bilderzählung mit einer literarischen Vorlage auseinander. Jakob Hinrichs beispielsweise verquickt in Der Trinker Motive aus Hans Falladas gleichnamigem Roman mit der Biografie des Schriftstellers. Morbide schwarzhumorig und lyrisch experimentell zugleich wirken dagegen die Zeichnungen des Wiener Künstlers Nicolas Mahler zu einem frühen Text der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Häufig finden sich in den Arbeiten der Comic-Zeichner autobiografische Züge. So berichtet Birgit Weyhe in Ich weiß von ihren persönlichen Eindrücken als „Fremde“ im Ostafrika der 1970er-Jahre, während sich Sonja Schlappinger in ihrem Erstlingswerk Die Kraft der heil(g)en Familie mit ihrer traumatisierenden Kindheit auseinandersetzt.

Auch tagespolitische Themen sind in der Schau vertreten: Für seine Comic-Reportage Dem Krieg entronnen reiste Olivier Kugler von 2013 bis 2017 im Auftrag der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ins Flüchtlingslager Domiz im Nordirak, auf die griechische Insel Kos, ins französische Migrantencamp von Calais, ins britische Birmingham und in den Schwarzwald führte. Seine Eindrücke hielt er in skizzenhaft wirkenden Porträts fest, die Einzelschicksale syrischer Flüchtlinge in den Fokus rücken. Fantastisch-mythische Welten erschließt Felix Pestemer mit seinem noch unveröffentlichten Werk Drachenei im Stammhirn. Darin spürt er der kulturgeschichtlichen Frage nach, wie der Drache in die Welt kam. Mit erfrischendem Witz wiederum warten Max Baitinger und Anna Haifisch auf: Während Baitinger in Röhner die Tücken und Dramen des Alltags neurotischer Stadtmenschen schildert, erzählt Haifisch mit einer gehörigen Portion Selbstironie vom Künstlerdasein und Schaffenskrisen.

Eine weitere Sektion widmet sich der „Grande Dame“ der deutschen Graphic-Novel-Szene, Anke Feuchtenberger. Sie gehört schon seit den 1990er-Jahren zur Comic-Avantgarde und gibt ihren breiten Erfahrungsschatz als Professorin an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften an kommende Comic-Zeichner-Generationen weiter. In der Galerie Stihl Waiblingen präsentiert sie beeindruckende, großformatige Zeichnungen aus ihrem noch unveröffentlichten Werk Ein deutsches Tier im deutschen Wald, an dem sie bereits seit acht Jahren arbeitet. Anhand dieser und weiterer fesselnder Geschichten und beeindruckender Bilder zeigt die Galerie Stihl Waiblingen die enorme Bandbreite aktueller deutschsprachiger Graphic Novels.

Die Ausstellung wurde konzipiert vom Horst-Janssen-Museum Oldenburg und für die Präsentation in Waiblingen um weitere künstlerische Positionen ergänzt. Zu sehen sind Leihgaben des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, der Erich Ohser – e.o.plauen Stiftung, des Stadtmuseums Oldenburg, der FB69 Gallery Kolja Steinrötter sowie der Künstlerinnen und Künstler selbst.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: galerie-stihl-waiblingen.de

29.09.2018 - 06.01.2019

Graphic Novels. Aktuelle deutsche Comic-Romane

Galerie Stihl Waiblingen

Weingärtner Vorstadt 16
71332 Waiblingen