Mit den Namen Karl Blossfeldt (1865–1932) und Jim Dine (*1935) verbinden sich auf den ersten Blick sehr unterschiedliche künstlerische Schaffenszeiten und Konzepte, doch die Kombination der für die aktuelle Ausstellung ausgewählten Photographien erweist sich als höchst spannungsvoll – dynamisch und harmonisch zugleich. Deutlich wird: Beiden Künstlern geht es mit großer Liebe zur Natur um eine achtsame Beobachtung der Pflanze und vor allem um ein austariertes Bild von ihr. Während Blossfeldts Augenmerk auf der differenzierten Darstellung kleinster Pflanzenteile und deren individueller Form liegt, diese meist stark vergrößert vor neutralem Hintergrund isoliert und objekthaft als botanische Studie vorstellt, richtet sich Jim Dines Aufmerksamkeit über das Einzelne hinaus mehr noch auf das Biotop und den Raum, in dem er die Pflanzen antrifft. 

Die Photographien von Karl Blossfeldt, die als originale Gelatinesilberabzüge aus der Hand des Künstlers vorgestellt werden, zeichnen sich durch eine sehr milde Tonigkeit, Detailtiefe und eine ausgesprochen feine Zeichnung aus.

Jim Dine hat zur Umsetzung seiner Photographien die Technik der Photogravüre, auch Heliogravüre genannt, gewählt. Ein Verfahren, das in die Frühzeit der Photographie reicht und Dines Fähigkeiten als Druckgraphiker nachvollziehen lässt. Das Spektrum der auf Büttenpapier umgesetzten Halbtöne ist überaus einnehmend und steht mit den Abzügen von Karl Blossfeldt in fesselndem Dialog. 

Die Zusammenführung und Gegenüberstellung der beiden künstlerischen Positionen mit ca. 70 Photographien von Karl Blossfeldt und ca. 40 Photographien von Jim Dine, erläutert durch umfangreiches Vitrinenmaterial, ist aus der Betreuung der internen Archivbestände hervorgegangen. So basiert die Präsentation der Werke von Karl Blossfeldt auf der engen, inzwischen 20-jährigen Zusammenarbeit zwischen der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur und der Universität der Künste Berlin, zu deren Eigentum ein Blossfeldt-Konvolut von u. a. über 600 Originalabzügen zählt. 

Mit der Präsentation der Heliogravüren unter dem Titel Entrada Drive von Jim Dine bezieht sich die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur auf ein umfangreiches Konvolut, das der Künstler 2005 in die Obhut der Institution übertragen hat. Es ist die vierte Ausstellung, die die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur dem photographischen Schaffen des Künstlers widmet, das im hauseigenen Sammlungsbestand mit ca. 1500 Arbeiten, umgesetzt in unterschiedlichen photographischen Techniken, teils auch inkl. originaler Negative, bezogen auf mehrere Motivkreise vertreten ist.