In Raum 2 und 3 werden photographische Arbeiten von Roselyne Titaud (*1977) gezeigt. Ihre Motivwelt umfasst das Interieur verbunden mit vorgefundenen Stilllebenformationen sowie Naturbetrachtungen, entstanden etwa in Wäldern und Flusslandschaften in Deutschland und Frankreich. Roselyne Titaud hat an der École des Beaux-arts in Saint-Étienne studiert und lebt seit einigen Jahren in Berlin. 

Unter dem Titel „Géographies des limites humaines“ – eine Referenz an ein Gedicht von Paul Eluard verfasst 1936 – hat die Künstlerin eine Auswahl aus unterschiedlichen photographischen Serien getroffen (A bruit, Tiefe, 2012–2013; Interieurs, Arrangements, 2001–2007; Am Löwentor, 2009; Les vallées, 2015; La Loire, 2017–18) und mit weiteren Einzelmotiven aus ihrem Schaffen in einen assoziativen Zusammenklang gesetzt. Nicht ein chronologisch-retrospektiver Ansatz wird in der Ausstellung verfolgt, vielmehr geht es Roselyne Titaud um motivische, thematische und formale Querverbindungen, um das Ausloten von sich verändernden Bedeutungszusammenhängen, wie sie je nach Kontext in die eine oder andere Richtung verweisen. Auch mediale Fragestellungen und Präsentationsformen spielen eine Rolle. 

Das Genre des Stilllebens ist für Roselyne Titaud ein zentrales Arbeitsfeld. Ihre Bildgegenstände findet sie in französischen und Berliner Wohnungen. Dargestellt sind private dekorative Arrangements, die von persönlichen Vorlieben und Geschmäckern erzählen, auf Erinnerungsmomente anspielen und denen so eine besondere zeitliche Komponente inne wohnt. Auf den Photographien von Titaud entdeckt man Porzellan und Glas in unterschiedlichen Formen und Farben, als Geschirr, Vasen oder auch figürlich; dekorative Stoffe mit Mustern und Fransen, aus Spitze oder gewebt, Kissen und Überwürfe auf dem Mobiliar, Sessel, Vitrinen, Kommoden und kleine Tische, auf denen die Gegenstände drapiert sind. Eine Motivgruppe, die besonders häufig auf den Bildern anzutreffen und die von einer großen Vielfalt ist, sind Blumen, Pflanzen und auch nachgebildete Tiere. Das Spektrum reicht vom Blumenstrauß in einer Vase, über Topfpflanzen, künstlich oder echt, bis hin zum floralen Muster auf Tapeten, Teppichen oder Decken. Tiere als Porzellanfiguren, auf Bildern gemalt oder auch in Form von Muscheln oder Korallen bevölkern die Photographien von Roselyne Titaud. Dieser der Natur entnommene Kosmos an Gegenständen erscheint uns befremdlich wie vertraut zugleich. Er führt weg von der Gegenwart in eine vergangene Zeit, als Einrichtungsmoden und -stile noch anderen ästhetischen und materiellen Parametern unterlagen. Und darüber hinaus spiegeln sich in den vorgefundenen Arrangements letztlich gesellschaftliche Strukturen, familiäre Lebensvorstellungen und Verbundenheit sowie wirtschaftliche Voraussetzungen.

Roselyne Titaud: Teufelsbruch #3, 2017 © Roselyne Titaud, 2018
22.02. - 21.07.2019

Roselyne Titaud: „Geographies des limites humaines“. Photographien

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