Die Sommerausstellung des Kunstmuseums Hohenkarpfen präsentiert den Maler und Zeichner Julius Herburger (Ravensburg 1900 – 1973). Er zählt zu den bedeutendsten Malern des 20. Jahrhunderts in Oberschwaben. Erstmals seit 1980 widmet sich eine Ausstellung gezielt Herburgers Landschaftsmalerei. Werke aus fünf Jahrzehnten belegen seine künstlerische Entwicklung vom bedeutenden Frühwerk der 1920er Jahre bis zu den ausdrucksstarken, farbkräftigen Landschaften aus Oberschwaben und vom Bodensee.

Von 1919 bis 1927 studierte Julius Herburger an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart bei Christian Landenberger, Heinrich Altherr und Arnold Waldschmidt. Sein Frühwerk weist spannende Verbindungen mit führenden Vertretern der europäischen Avantgarde der 1920er Jahre auf. 1926 und 1928 unternahm er Studienreisen nach Paris. Sein Freund Willi Baumeister führte ihn in die Ateliers von Fernand Léger und Piet Mondrian ein. Er lernte die Herausgeber der Zeitschrift L’Esprit Nouveau, Amédée Ozenfant und Le Corbusier, kennen. Außerdem setzte er sich mit der Pittura Metafisica und deren Vertretern, wie Giorgio de Chirico, Carlo Carrà und Giorgio Morandi, auseinander.

Neben Jakob Bräckle zählte Herburger zu den interessanten jungen Malern aus Oberschwaben und erfuhr bereits früh künstlerische Anerkennung. 1928 beteiligte er sich erstmals an einer Ausstellung als Mitglied der Stuttgarter Sezession. Außerdem stellte er mit dem Deutschen Künstlerbund Junge Künstler im Berliner Schloss aus. Im selben Jahr erhielt Herburger einen der vier Staatspreise der Stadt Stuttgart für sein Selbstbildnis mit Maja. Als jüngstes Mitglied des Künstlerbundes nahm er an Ausstellungen in Berlin, Essen, Wien, München und Stuttgart teil. In den folgenden Jahren wurden seine Werke in den Stuttgarter Galerien Schaller und Valentien, in der Sammlung Borst und in der Galerie Wolfensperger in Zürich ausgestellt.

1937 wurde Herburgers Gemälde Meersburg im Rahmen der Aktion Entartete Kunst aus dem Ulmer Museum entfernt. Der im Grunde unpolitische Künstler stand dem Nationalsozialismus und besonders der Kunstpolitik der Nazis ablehnend gegenüber. Gleichwohl zählte Herburger damals zu den am meisten beachteten Künstlern in der Region. In den 1930er Jahren erhielt er verschiedene Wandbildaufträge. Sein bedeutendes Wandbild Die Freunde von 1928 im Neuen Gymnasium in Ravensburg wurde 1939 dreifach übertüncht, weil sich Herburger geweigert hatte, das Wandbild mit Hakenkreuzfahnen zu versehen. Erst 1981 wurde es wieder freigelegt.

1946 zählte Herburger zu den Gründungsmitgliedern der Sezession Oberschwaben-Bodensee. Ab 1952 war er Jurymitglied der Stuttgarter Sezession und des Württembergischen Kunstvereins. Ausstellungen und Ehrungen wie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1972 folgten.

Julius Herburgers Werk entwickelte sich von der Neuen Sachlichkeit hin zum Expressiven Realismus und umfasst neben Porträts, Stillleben und Karikaturen insbesondere Landschaften vom Bodensee und aus Oberschwaben. Herburgers Nachlass bezeugt seine Mehrfachbegabung nicht nur als Maler und Zeichner, sondern auch als Schriftsteller und Dichter. Spontaneität, leidenschaftliches Engagement und nicht zuletzt Humor prägen seine Notizen.

Der Ausstellungstitel zitiert aus ihnen: Für mich heißt malen: nicht erfinden, sondern finden und mich in das Gefundene hineinsehen. Ein Stück Natur zum Bild umformen – aber ohne Gewalt und Spekulation umformen; vielmehr nachschaffen unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Bildes. (1950)

Neben privaten Sammlern konnten als Leihgeber das Museum Langenargen, die Stadt Ravensburg das Regierungspräsidium Tübingen und die Landkreise Ravensburg und Bodenseekreis gewonnen werden.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Sonntag und an Feiertagen: 13:30 Uhr - 18:30 Uhr
Montag - Dienstag: geschlosse

Weitere Informationen direkt unter: kunststiftung-hohenkarpfen.de

25.03. - 11.11.2018

Julius Herburger: Natur zum Bild umformen

Kunststiftung Hohenkarpfen

Hohenkarpfen 1
78595 Hausen ob Verena