Der Begriff der apparativen Kunst bezeichnet ganz allgemein eine Kunst, die mittels meist elektronischer Apparaturen hergestellt wird. Der Künstler Herbert W. Franke definiert sie als „künstlerischen Umgang mit technologischen Geräten“. Typischen Ausdrucksformen sind Bewegung, Interaktion, Licht und Klang, die mit Hilfe von Maschinen und Versuchsanordnungen erzeugt werden. In der Ausstellung Apparative Kunst stehen sich Werke aus den 1970-80er Jahren und aktuelle Positionen – Neuzugängen der Sammlung Lütze – gegenüber.

Peter Vogel (1937-2017) ist ein Gestalter von interaktiver elektronischer und kinetischer Kunst. Minimal Music Piece (1984) entfaltet seine volle Wirkung, wenn sich der Betrachter dem Kunstwerk nähert. Die lichtbasierten Bewegungsmelder, die in den Schaltkreis verbaut sind, generieren dann eine zufällige Klangfolge. Die Arbeit Klopffarben (1975) von Walter Giers (1937-2016) spielt ebenfalls mit dem Zufall und der Interaktion des Publikums. Durch elektronisch erzeugte Signale entstehen Lichteffekte und Töne. Auch Manfred Mohr (*1938) nutzt Apparaturen, genau genommen Computer, um die menschliche Interaktion zu verstärken. Der Computer ist für ihn ein Verstärker des Intellekts und dient für visuelle Experimente. Der Mensch gibt die Idee vor und der Computer führt sie aus, oftmals schneller und präziser, als es der Künstler selbst gestalten könnte. Mohr ästhetisiert Informationsstrukturen. Polystable P 82 (1971) steht in einer Reihe von abstrakten logischen, visuellen Bildern.

Dieser elektronischen Kunst stehen drei junge Positionen gegenüber, die sich ebenfalls mit Apparaturen, Licht und Algorithmen befassen. Doch spielt hier die elektronische Komponente keine Rolle mehr. Selfie (2017) der Künstlerin Sophie Innmann (*1986) zeigt das Ergebnis einer Versuchsanordnung, bei der Sprühfarbe durch eine Vorrichtung selbstständig entweicht. Auch hier wird ein Kunstwerk generiert, das sich mit Hilfe einer Apparatur selbst erzeugt und ohne menschliches Mitwirken ein Bild entstehen lässt. Einen strengen formalen Aufbau, eine fast algorithmische Folge von digitalen Räumen zeigt Enrico Bach (*1980) in seiner Arbeit KM2 (2013). Er arbeitet in seiner klassischen Malerei streng formal und durchbricht den Algorithmus durch wie zufällig entstandene Bildräume. Martin Pfeifle (*1975) nutzt in seiner Arbeit KON (2018) Licht als wesentliches Element, um eine klar definierte Struktur, den konzentrischen Kreis, darzustellen. Architektur und Raum verbinden sich zu einer geschlossenen Installation.

KABINETT LÜTZE
Der Grundstock des Sammlungsbestands ist die Sammlung Lütze, die 1986 von der Stadt Sindelfingen von dem Privatsammler Diethelm Lütze angekauft wurde. Mit über 1.200 Kunstwerken aus den Bereichen Malerei, Plastik und Grafik bildet sie das ausgehende 19. und 20. Jahrhundert im süddeutschen Raum mit seinen unterschiedlichen Stilen und Entwicklungen ab. Die Sammlung Lütze wurde seit ihrem Erwerb mit Arbeiten von national und international bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart stetig erweitert. Seit 2017 werden ausgewählte Werke der Sammlung Lütze in jährlich wechselnden Ausstellungen im KABINETT LÜTZE präsentiert. Weiterhin verfügt die Galerie über den Bestand der städtischen Sammlung, mit mehr als 3.000 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Region.


Öffnungszeiten:
Montag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag (Feiertage): 10:00 - 17:00 Uhr
Heiligabend und Silvester: 10:00 - 13:00 Uhr
1. Weihnachtsfeiertag und Neujahr: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: galerie-sindelfingen.de

Peter Vogel, Minimal Music Piece, 1984, Detail Foto: Benjamin Knoblauch
06.10.2018 - 10.02.2019

Apparative Kunst

Galerie Stadt Sindelfingen

Marktplatz 1
71063 Sindelfingen