Unmittelbar und unverfälscht" – so wird im „Brücke“-Programm von 1906 die eigentümliche Ausdrucksform der Künstlergruppe beschrieben. Keines ihrer Mitglieder hat dieses Motto so kompromisslos umgesetzt wie Karl Schmidt-Rottluff. Von einer „erschreckenden Konsequenz" sei seine Kunst, meint „Brücke“-Chronist und Museumgründer Lothar-Günther Buchheim bewundernd; und Fritz Bleyl, Gründungsmitglied der „Brücke“, erkennt schon früh, dass der stattliche, bebrillte junge Mann über die malerische „Pranke des Löwen“ verfüge. Diesem epochalen Großmeister des Expressionismus widmet das Buchheim Museum nun eine umfangreiche Retrospektive der besonderen Art.

Dank des Zusammentreffens der Sammlungen Gerlinger und Buchheim im Buchheim Museum kann der gesamte Schaffenszeitraum von 1899 bis 1974 mit über 200 herausragenden Werken belegt werden. Neben einer Auswahl an 27 Gemälden sind auch 37 Aquarelle, 8 Farbkreidezeichnungen, und weitere Arbeiten auf Papier sowie 20 Schmuckstücke und 8 Skulpturen des farb- und formgewaltigen Künstlers zu sehen.

Die Ausstellung präsentiert zwei eng zusammengehörende Seiten des Phänomens Schmidt-Rottluff: die formal-künstlerische; und die biografisch-persönliche, die bei dem als verschlossen geltenden Künstler bislang weitgehend im Dunkeln lag.

So erleben die Besucher einerseits eine Schule des Sehens, in der die Formen und Farben als Elemente künstlerischen Ausdrucks vor Augen geführt werden: die flirrenden Strichlagen, die der junge, begabte „Brücke“-Mitbegründer dem Repertoire des Impressionismus entnimmt; die „wild erregte, zuckende Pinselschrift“, die laut Buchheim charakteristisch für Schmidt-Rottluffs Phase des „monumentalen Impressionismus“ ist, sowie die klar strukturierten, oftmals konturierten Farbfelder des Expressionismus, die Schmidt-Rottluff, zunehmend seiner malerischen Mittel bewusst, zu Zeichen subjektiven Empfindens verdichtet, und schließlich die bis ins hohe Alter fortwährende koloristische Steigerung der malerischen Wirkungskraft.

Andererseits wird in der Museumsschau die Persönlichkeit vorgestellt, die in der Kunst ihre Ausdrucksmittel findet. Bislang unbekannte Zeugenaussagen vermitteln authentische Einblicke in das Leben des Künstlers, die dieser zu Lebzeiten immer verwehrte. Neben den „Brücke“-Kollegen kommen auch ihm nahestehende Kunsthistoriker und persönliche Freunde zu Wort. Hinter dem erratischen Genius wird so der suchende, ehrgeizige, intelligente, mitfühlende oder liebende Mensch sichtbar, der allenthalben in den Kunstwerken aufscheint – nicht nur im malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Werk, sondern auch in den skulpturalen und kunsthandwerklichen Arbeiten, die oftmals in einem noch viel intensiveren Bezug zum Privaten stehen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag (Feiertage): 10:00 - 17:00 Uhr
Montag sowie am 24.12. und 31.12.: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: buchheimmuseum.de


Veranstaltungen:

Sonntag, 21. Oktober, 15 Uhr und Samstag, 15. Dezember, 15 Uhr
Expertenführung mit Sammler und Direktor
Hermann Gerlinger hat die Sammlung »Die Maler der Brücke« aufgebaut. Seit 2017 ist diese größte Privatsammlung zur Künstlergruppe »Brücke« als Leihgabe im Buchheim Museum. Das Werk Schmidt-Rottluffs bildet einen wesentlichen Teil der Kollektion. Im Gespräch mit Museumsdirektor Daniel J. Schreiber führt Prof. Hermann Gerlinger durch die Ausstellung.

Sonntag, 18. November, 15 Uhr
Hanna Bekker vom Rath und Karl Schmidt-Rottluff
Marian Stein-Steinfeld, Enkelin der Frankfurter Künstlerin, Sammlerin und Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath, hat soeben anlässlich des 125. Geburtstag ihrer Großmutter deren Biografie verfasst. Im Buchheim Museum trägt sie nun die Passagen zu Schmidt-Rottluff vor, der mit Hanna Bekker vom Rath eng befreundet war.

Samstag, 13. Oktober 2018, 3. November 2018, 8. Dezember 2018, 5. Januar 2019
jeweils 14.30 Uhr und 15.30 Uhr
Familiensamstage mit Anne Funck
Karl Schmidt-Rottluff war ein Magier der Farbe. Er hielt alles fest, was er sah, fühlte und was ihn bewegte: die Fischer am Meer, seine Liebe zu Emy, Alltagsgegenstände oder Landschaften im Sonnenoder Mondschein. Wie sich seine Persönlichkeit in Bildern ausdrückt, was ihn mit Freunden verband und was ihn zum Expressionisten macht, erkunden wir mit allen Familienmitgliedern gemeinsam.

Sonn- und Feiertage, jeweils 14.30 Uhr
Schmidt-Rottluff Führungen
Qualifizierte Kunstvermittlerinnen zeigen Ihnen die wichtigsten Werke der Ausstellung und bieten einen guten Überblick über das Lebenswerk Karl Schmidt-Rottluffs.

Jeden Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Offenes Atelier
Mit reinen, kräftigen Farben und vereinfachten, gesteigerten Ausdrucksformen stellt Schmidt-Rottluff seine Welt dar. Ob uns auch solche Bilder der Freiheit, der Freude und der Fantasie gelingen? Alle, die nicht nur schauen, sondern selbst gestalten wollen, sind herzlich ins »Labor der Phantasie« eingeladen. Pinsel und Farben stehen ebenso bereit wie fachkundige Betreuung durch Künstler. Für Kinder ab 6 Jahren, jünger nur in Begleitung, auch Erwachsene sind willkommen! Die Teilnahme ist frei mit gültiger Eintrittskarte.

29.09.2018 - 03.02.2019

Schmidt-Rottluff. Form. Farbe. Ausdruck

Buchheim Museum

Am Hirschgarten 1
82347 Bernried