Die Winterausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren widmet sich der Darstellung des Menschen im Schaffen von vier herausragenden Künstlern. Gezeigt werden mehr als 160 Arbeiten auf Papier – Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken – von Ernst Barlach (1870-1938), Otto Dix (1891- 1969), George Grosz (1893-1959) und Samuel Jessurun de Mesquita (1868-1944).

Während das künstlerische Schaffen von Otto Dix, George Grosz und Ernst Barlach heute großes Ansehen genießt und ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen gezeigt wurden, dürfte der niederländische Künstler Samuel Jessurun de Mesquita dem deutschen Publikum noch weitgehend unbekannt sein. Indem die Ausstellung Jessurun de Mesquitas Œuvre ins Zentrum rückt und seiner Kunst in der Gegenüberstellung mit Werken prominenter Zeitgenossen besondere Beachtung schenkt, möchte das Kunsthaus zur Wiederentdeckung und internationalen Anerkennung dieses Ausnahmetalents beitragen.

Das Ausstellungsjahr 2018 markiert nicht nur das hundertjährige Jubiläum des Endes des Ersten Weltkrieges, es jährt sich außerdem zum 150sten Mal der Geburtstag des 1944 von den Nationalsozialisten ermordeten Jessurun de Mesquita. – Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, in die primär das künstlerische Wirken der vier Künstler der Ausstellung fällt, war nicht nur geprägt von gravierenden politischen und sozialen Umwälzungen, sondern es war auch die Zeit der Entstehung zahlreicher Avantgarde-Bewegungen, die grundlegende Erneuerungen in den Künsten anstrebten. In dieser durch zwei Weltkriege und mehrere schwere Weltwirtschaftskrisen erschütterten Zeit waren es immer wieder menschliche Zustände seelischer Zerrissenheit, die die Künstler zu ebenso fantasievollen wie häufig grotesk und dramatisch wirkenden Bildwerken anregten.

Den thematischen Überbau der Ausstellung bildet daher die Darstellung des Menschen in existenzieller Not, sein Dasein in einer auseinanderfallenden Gesellschaft, in einer wahnwitzigen Epoche gesellschaftlicher und politischer Umbrüche.

Besonders eindrücklich werden in den Arbeiten auf Papier die eigenwilligen, teils skurrilen und sehr persönlichen Anschauungen der vier Künstler sichtbar. Dabei bezeugen die „Menschenbilder“ eine häufig bizarre, teils zynische, traurige, bisweilen auch humoristische Weltsicht. – Vor allem in der Zeit vor und zwischen den beiden Weltkriegen entwickelten Barlach, Dix, Grosz und Jessurun de Mesquita eine unverwechselbare Bildsprache, die ebenso ambivalente wie eindrucksvolle künstlerische Reaktionen auf Krisen und Herausforderungen der Zeit veranschaulicht: Liebe und Hass, Begeisterung und Skepsis, Leidenschaft und Schwermut, Aggressivität und Selbsthingabe, die Stellung zu Gott und Religion, gegenüber den Mitmenschen und gegenüber einer Welt, die aus den Fugen gerät.

Zu der Ausstellung erscheint eine Publikation mit zahlreichen Werkabbildungen und Textbeiträgen von Ralph Jentsch, Managing Director, George Grosz Estate, Berlin und Rom; Rafael von Uslar, Kurator in Berlin; Franziska Hell, wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellv. Geschäftsführerin, Ernst Barlach Stiftung Güstrow; Uta Rosenbaum, Kunsthistorikerin und Expertin für Samuel Jessurun de Mesquita sowie Jan T. Wilms, Direktor Kunsthaus Kaufbeuren und Kurator der Ausstellung.