Aus den Sammlungen der Nürnberger Industriellenfamilie Spaeth – Falk – Hammerbacher

1821 gründete der gelernte Müller Johann Wilhelm Späth (1786–1854) in Wöhrd bei Nürnberg eine mechanische Werkstatt, die er schon bald an den Dutzendteich verlegte und zu einer Maschinenfabrik ausbaute ? der ersten in Bayern. In den fünf Generationen der Inhaberfamilie, die diese Fabrik leitete, erlebte sie eine enorme Expansion zum weit überregional tätigen Unternehmen, bis zum traurigen Niedergang Mitte des 20. Jahrhunderts. Aktivitäten wie die Montage des berühmten „Adlers“, der Lokomotive der Ludwigsbahn, oder die Beteiligung am Bau des Ludwigskanals bezeugen, welchen identitätsstiftenden Charakter die Projekte des Unternehmens bis heute für die Region besitzen.

Die Maschinenfabrik, Eisengießerei und Brückenbauanstalt Joh. Wilh. Spaeth (1821–1969)
Der Familienbetrieb war neben der MAN (vormals Cramer-Klett) die bedeutendste Metallfirma Nürnbergs. Späths Erfolg lag in seiner Erfindungsgabe, seinem außerordentlichen Fleiß und seinem Talent, unermüdlich Kontakte zu knüpfen. Für den Aufstieg in jener Pionierzeit war auch die enorme Diversifizierung wichtig, und so gewann Späth in vielen Gewerbezweigen Kunden. Sein Konzept, alles aus einer Hand zu liefern, die Einrichtung ganzer Fabriken vorzunehmen und mit dem Ludwigskanal und der Eisenbahn an zukunftsweisenden, großen Infrastrukturprojekten mitzuwirken, minimierte das Risiko, wenn ein Sektor in die Krise geriet.

Gliederung und Themen der Ausstellung
Die Ausstellung gliedert sich in sechs Hauptkapitel:

I. Die Fabrik (1821–1969)
II. Johann Wilhelm Späth (1786–1854)
III. Johannes Falk (1822–1907)
IV. Eduard Wilhelm und Helene Hammerbacher und die folgenden Generationen
V. Die Vorfahren der Familie Hammerbacher
VI. Kunst sammeln

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Firma anhand von Porträts der Firmenleiter und ihrer Angehörigen sowie von Fotos, Plänen und Dokumenten zu ihren wichtigsten Projekten und Produkten. Johann Wilhelm Späth verstand es nicht nur, fähige Fachleute in sein Unternehmen zu holen, sondern auch, potentielle Nachfolger durch Verheiratung mit seinen Töchtern in die Familie zu integrieren und damit fester an die Firma zu binden. Späths Nachfolger, Johannes Falk (1822–1907), verfuhr gleichermaßen, da auch er keine Söhne hatte und seinerzeit für die Firmenleitung nur männliche Nachkommen opportun schienen. Seine Schwiegersöhne Eduard Wilhelm Hammerbacher (1829–1894) und Johann Baptist Külb (1839–1907) wurden 1890 in die Firmenleitung einbezogen. Hammerbachers Nachkommen führten die Fabrik bis zu deren Ende 1969.

Die Familie Hammerbacher hatte selbst schon eine industrielle Vergangenheit: Eduard Wilhelms Großvater, Johann Wilhelm Hammerbacher (1760–1850), hatte von seinem Schwiegervater die Dietzische Spiegelglasfabrik in Lauf geerbt. Ein Exkurs richtet daher den Blick zurück auf die Vorfahren der Hammerbacher, von denen sich eine Reihe interessanter Bildnisse erhalten hat.

Einen ausgeprägten Sinn für Kunst hatte auch Johannes Falk, der sich insbesondere als Bauherr hervortat. Er errichtete neben der Fabrik ein Gartenhaus, ein Wohnhaus und eine Villa und ließ sie alle mit Deckenmalereien ausschmücken. Über mehrere Generationen hat die Familie Kunstwerke zusammentragen, die von der gehobenen Wohnkultur und dem Geschmack einer erfolgreichen Fabrikantenfamilie des

19. Jahrhunderts Zeugnis ablegen. Diese werden im letzten Teil der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Anlass
Im Jahr 2002 riefen Uta-Elisabeth Trott und Prof. Klaus-Rüdiger Trott, Nachkommen der Fabrikantenfamilie, die von der Stadt Nürnberg verwaltete Spaeth-Falk-Hammerbacher-Stiftung Nürnberg ins Leben. Ihr Ziel ist die Förderung von Forschungen zur Nürnberger Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie bestimmten auch, dass die Stadt das reichhaltige Firmen- und Familienarchiv sowie die Sammlung von Familienporträts erben soll. Auf ihren Wunsch zeigen die Museen der Stadt Nürnberg die Dokumente zur Firmen- und Familiengeschichte sowie die kleine, aber interessante Kunstsammlung der Unternehmerfamilie. Da Teile davon für einen späteren Verkauf zugunsten der Stiftung vorgesehen sind, bietet sich dem Besucher jetzt die einmalige Gelegenheit, sie als Ganzes zu sehen. Die Stadt Nürnberg drückt mit der Konzeption und Ausrichtung der Ausstellung auch ihre Dankbarkeit gegenüber den Stiftern aus.

Ziel ist es, an ein ehemals bedeutendes Nürnberger Industrieunternehmen zu erinnern, und vor allem, die verdienstvolle Unternehmerfamilie Späth – Falk – Hammerbacher, die einiges zur wirtschaftlichen Entwicklung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert beigetragen hat, dem Vergessen zu entreißen und ihr Engagement zu würdigen.

Hinweis: Es wird hier für die Fabrik die von dieser im offiziellen Schriftwechsel gebräuchliche Schreibweise „Spaeth“ verwendet, für die Person des Firmengründers die von ihm selbst beim Signieren gebrauchte Schreibung „Späth“.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, in dem alle Exponate abgebildet und ausführlich beschrieben sind. Einleitende Texte zu den Kapiteln erklären die Firmen- und Familiengeschichte und den Stellenwert der Exponate. Ebenfalls enthalten ist ein Bildteil zum Ende der Fabrik und zu den heute noch sichtbaren Spuren in der Umgebung Nürnbergs. Der Katalog kann an der Kasse des Stadtmuseums im Fembo- Haus erworben werden.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 17:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museen.nuernberg.de

Wilhelm Ritter: Die Spaethsche Fabrik, 1894 © Familie Hammerbacher
11.07. - 11.11.2018

Kunst & Eisen

Stadtmuseum im Fembo-Haus

Burgstraße 15
90403 Nürnberg