Zehn Jahre nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise 2008, welche die Wirtschaftssysteme in Amerika und Europa in ihren Grundfesten erschütterte und unsere Gegenwart nachhaltig beeinflusst, verdeutlicht die große Herbstausstellung „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie“ erstmals den dramatischen Einfluss der Ökonomie auf die Kunst in einem weltweiten Vergleich zwischen den Weltkriegen (1919–1939) und in der Gegenwart (2008–2018).

Im ersten Teil der Ausstellung (1919–39) werden ökonomische Phänomene in der Klassischen Moderne der 1920er und 1930er Jahre mit Fokus auf Deutschland, Russland und den USA reflektiert. Ausgehend von der Neuen Sachlichkeit, die in der Kunsthalle Mannheim 1925 ihren Namen erhalten hat, wird eine ähnliche Wiederentdeckung der zeitgenössischen Wirklichkeit die Hinwendung zu Gegenstand und Gegenwart in der sozialistischen Sowjetunion und in den USA betrachtet.

„Die Kunsthalle Mannheim wagt sich als erstes Museum an diesen anspruchsvollen internationalen Vergleich der visuellen Künste der Zwischenkriegszeit in drei Ländern mit diametralen politischen und ökonomischen Systemen heran“, erklärt Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim.

Das zweite Kapitel (2008–2018) wendet sich der unmittelbaren Gegenwart zu, in der Globalisierung, Digitalisierung und die internationale Finanzkrise viele Künstler zu engagierten Aussagen antreiben. „Die Konfrontation des historischen Materials mit engagierter Kunst der Gegenwart führt die Besucher durch eine sich dramatisch wandelnde Erfahrungswelt von Mensch und Arbeit im 20. und 21. Jahrhundert“, sagt Dr. Sebastian Baden, Kurator für zeitgenössische Kunst an der Kunsthalle. „Als roter Faden dient uns die Frage: Wie beeinflussen sich Ökonomie und Kunst gegenseitig, welche soziale Sprengkraft wird hier sichtbar?“ 150 Künstler*innen und Kollektive aus mehr als 20 Nationen reflektieren in insgesamt 250 Gemälden, Filmen, Fotografien, Collagen, Multimedia-Installationen und Performances ihre drängenden Fragen und beschreiben diese Phänomene, die heute brisanter sind denn je.

Feierlich eröffnet wird die zweiteilige Themenausstellung am Donnerstag, 11. Oktober 2018 um 19 Uhr, von Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim. Das Grußwort spricht Dr. Uwe Liebelt, President European Site & Verbund Management und Werksleiter BASF Ludwigshafen. Das Kuratorenteam, bestehend aus Lorenz, Baden und dem Berliner Kurator Dr. Eckhart J. Gillen, erläutert das Ausstellungskonzept, das darauf abhebt, im vergleichenden Sehen und Verstehen der visuellen Kulturen der drei Epochen Analogien und Differenzen in der Verarbeitung des Themas zu erkennen. Um 21 Uhr lädt der französische Künstler Thierry Geoffroy die Besucher*innen zu seiner Performance „Slow Dance en masse“ ein.

Hauptförderer der internationalen Ausstellung zum brisanten Thema „Kunst und Ökonomie“ ist die Kulturstiftung des Bundes (KSB).

Als Hauptsponsor des Projekts fungiert ein führendes Welt-Unternehmen der Rhein-Neckar-Metropol-Region: die BASF SE.

Finanziell unterstützt wird die Ausstellung zudem maßgeblich von der
H.W. & J. Hector Stiftung und anderen großzügigen Förderern, wie auch die Ernst von Siemens Kunststiftung. „Unsere Kunststiftung dient der Bildenden Kunst und fördert Kunstausstellungen von herausragender Bedeutung“, erläutert Generalsekretär Dr. Martin Hoernes. „Wir sind daher froh, dieses große, internationale Projekt unterstützen zu können, das einen Aspekt der Kunstgeschichte erforscht, der in dieser Form erstmals in einer Ausstellung behandelt wird und von zwei umfassenden Katalogen begleitet wird.“

Highlights unter den Ausstellungsstücken sind beispielsweise „Grauer Tag“ von George Grosz (1921), Ekaterina S. Zernovas „Fischkonservenfabrik“ (1927), Alexander Deinekas „Beim Bau neuer Werkhallen“ (1926) aus Moskau, Hans Grundigs „Hungermarsch (Café Republik)“ (1923) aus Dresden, der Film „Manhatta“ (1920) von Charles Sheeler, „Amerikanische Tragödie (Memorial Day Massacre)“ (1936/37) von Philip Evergood, das „Motorradrennen“ (1923-25) von Konstantin A. Vialov aus der Tretjakov Galerie Moskau sowie die „Cotton Pickers“ (1935) von Jackson Pollock aus der Albright-Knox Art Gallery – ein unbekanntes Frühwerk, das stilistisch eine Überraschung birgt. Von Edward Hopper wird „Apartment Houses“ (1923) gezeigt.

Teilnehmende Künstler*innen sind Berenice Abbott, Maja Bajevic, Margaret Bourke-White, Bureau d’Etudes, Abraham Cruzvillegas, Stuart Davis, Alexander Deineka, Otto Dix, Walker Evans, Harun Farocki/ Antje Ehmann, Carl Grossberg, Andreas Gursky, Thomas Hirschhorn, Hannah Höch, Edward Hopper, Sanja Ivekovi?, George Grosz, Grethe Jürgens, Gustavs Klucis, Valentina Kulagina, Alicja Kwade, Alice Lex-Nerlinger, El Lissitzky, José Antonio Vega Macotela, Reginald Marsh, Juri Pimenow, Tobias Rehberger, Alexander Rodtschenko, Mika Rottenberg, Rudolf Schlichter, Franz Wilhelm Seiwert, Charles Sheeler, Superflex, Zefrey Throwell, Karl Völckers, Dziga Vertov u.v.a. (Die vollständige Liste aller beteiligter Künstler*innen finden Sie auf der Homepage www.kuma.art und in der Pressemappe zur Ausstellung ab S. 16ff.)

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.