Als Prolog zur großen Sonderausstellung „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ (1. März – 30. Juni 2019) zeigt die Gemäldegalerie im Herbst 2018 Werke von Giovanni Bellini und seines Umkreises, die in Vorbereitung der Ausstellung untersucht und restauriert wurden. Texttafeln, Fotos und Kartierungen geben den Besucherinnen und Besuchern Einblick in die Untersuchungsergebnisse, die Restaurierungsgeschichte und die jüngst durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen.

Restaurierung und Forschung sind untrennbar miteinander verbunden. Das Wissen um Materialien, Technik und Aufbau, um Objektgeschichte und Veränderungen ist die Basis, auf der erst ein Restaurierungskonzept entwickelt und Interpretationen folgen können. Die acht ausgewählten Gemälde aus dem Umkreis Bellinis haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Veränderungen erfahren: Sie sind Fragmente eines größeren Altarwerks oder einer Raumausstattung, wurden teilweise beschädigt, überarbeitet oder durch Umwelteinflüsse in ihrem Erscheinungsbild verändert.

Durch stereomikroskopische Untersuchungen, strahlendiagnostische Verfahren (Röntgen, Infrarot, UV) und weitere Materialanalysen ist es heute möglich, den Prozess der Bildentstehung sowie spätere Veränderungen zu rekonstruieren. Historische Recherchen anhand von Archivalien ergänzen die Untersuchungen am Objekt. Für jede anschließende Restaurierung muss neu abgewogen werden, wie viel Retusche oder Rekonstruktion erforderlich ist, um ein Werk in all seinen Aspekten wieder erlebbar zu machen. Den Besucherinnen und Besuchern soll so auch ein Einblick in die Fragen gewährt werden, die sich den Restauratorinnen und Restauratoren stellen.

Die Gemälde wurden in Vorbereitung der Sonderausstellung „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ gesichtet. Wegen ihres schlechten Zustands lagerten einige von ihnen jahrzehntelang im Depot – darunterFrancesco Bissolos „Auferstehung Christi“, dass über 60 Jahre nicht zu sehen war und nun erstmals seit der Restaurierung im letzten Jahr wieder präsentiert wird. Kunsttechnologische Untersuchungen der „Tempeldarbringung“ aus Bellinis Werkstatt zeigten wiederum, wie die Vorlagen großer Meister kopiert und weiter verwendet wurden. Weitere Untersuchungen brachten Erkenntnisse, die in die Forschung für die Sonderausstellung eingingen. Die durchgeführten Restaurierungen deckten teilweise die erstaunliche Farbigkeit der originalen Malerei auf.

Neben Texttafeln, Fotos und Kartierungen, die vor Ort Einblick in die Untersuchungsergebnisse, die Restaurierungsgeschichte und die jüngst durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen geben, werden einige Untersuchungserkenntnisse ab Oktober auf der Webseite zur Sonderausstellung durch Animationen zugänglich gemacht. So können Nutzerinnen und Nutzer etwa die unterschiedlichen Phasen im Schaffensprozess des großen, jedoch schwer geschädigten Wandbildes mit „Loredan und seinen Söhnen“ selbst nachvollziehen: www.mantegnabellini.de.

„Bellini Plus. Forschung und Restaurierung“ wurde von Babette Hartwieg, Chefrestauratorin der Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin, konzipiert, Texte und Grafiken gemeinsam mit Diplomrestauratorin Maria Zielke erstellt.

Die Sonderpräsentation wird gefördert vom Kaiser Friedrich Museumsverein.


Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum