Mythen und Legenden im japanischen Farbholzschnitt des 18. & 19. Jahrhunderts

Die fantastische Welt der Zauberwesen, Ungeheuer und Gespenster präsentiert sich im japanischen Farbholzschnitt des 18. und 19. Jahrhunderts umfangreicher und theatralischer, als dies in der westlichen Kunst der Fall ist. Japanische Gespenstermythen teilen unsere Vorstellung, dass Menschen, denen im Leben Unheil, Unrecht oder Gewalt widerfahren ist, keine Ruhe finden. Als Rachegeister suchen sie ihre Peiniger heim. Darüber hinaus erscheinen viele japanische Gespensterwesen als Inkarnationen von Naturelementen. Bis heute sind der Glaube an die Existenz gespenstischer Geistwesen und Riten zu ihrer Besänftigung fester Bestandteil der japanischen Volksreligion Shintoismus.

Während der Edo-Zeit (1603—1868) wurde das ursprünglich bedeutungslose Fischerdorf Edo, heute Tokyo, zum Regierungssitz. Um 1700 zählte dieser 1,2 Millionen Einwohner und war damit die größte Stadt der Welt. Das politische und gesellschaftliche Leben war geprägt durch die Abschottungs- und Zensurpolitik der Militärregierung. Der Bevölkerung wurden jedoch ausgewählte Vergnügungen, wie Freudenviertel, Sumo-Wettkämpfe und das Kabuki-Theater, gestattet.

Gleichzeitig blühte die Buchproduktion im aufwendigen Holzschnittdruckverfahren auf. Für jede Buchseite musste ein eigener Druckstock geschnitten werden, da die Schriftzeichen nicht maschinell beweglich waren. Mit der Zeit nahmen Abbildungen in den zunächst unbebilderten Publikationen mehr Raum ein. Schließlich wurde der japanische Farbholzschnitt (ukiyo-e) zum primären künstlerischen Darstellungsmittel. Insbesondere Schauspieler und

Höhepunktszenen des Kabuki-Theaters genossen höchste Beliebtheit. In dessen Repertoire tauchen im 19. Jahrhundert die aufregenden Gespenstergeschichten auf. Die theatertechnische Raffinesse des Kabuki mit seinen Drehbühnen, fliegenden Kostümwechseln, Kerzenlichteffekten und unsichtbaren Bühnenhelfern kam der gruseligen Dramaturgie und Inszenierung übersinnlicher Wesen entgegen. Auf hohem handwerklichem und künstlerischem Niveau stellte der Farbholzschnitt die Vorgänge im Kabuki-Theater dar. Die Gespenstermythen wurden so zum beliebten Kunstgegenstand mit Souvenircharakter.

Mit einem Ausblick beleuchtet die Ausstellung die Verwandtschaft und Entwicklung des modernen japanischen Comic Strips (Manga) und Zeichentrickfilms (Anime) aus dem Farbholzschnitt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Hannspeter Kunz, Sigmaringen.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Feiertag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Faschingsdienstag, Karfreitag, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag und Silvester geschlossen.

Weitere Informationen direkt unter: museumulm.de