Das Computerspiel ist das ökonomisch vermögendste und ästhetisch vertrackteste Artefakt unserer Gegenwart. Längst schon hat es die Kinder-, aber auch Wohn- und Arbeitszimmer erobert. Und auf unseren Smartphones wollen wir Games nicht mehr missen.

Spätestens seit das New Yorker Museum of Modern Art vor wenigen Jahren ausgewählte Beispiele in seine Sammlung aufgenommen hat, darf das Computerspiel zum Kanon der Kunstgeschichte gezählt werden—als neue Kunstform. Die Ausstellung im Museum Ulm baut auf dieser Entwicklung auf und will das Computerspiel erstmals in seiner medialen Einzigartigkeit und ästhetischen Bedeutsamkeit begreifen. Zu diesem Zweck wird mit der Figur des Schattens ein besonderer Aspekt freipräpariert, der das Computerspiel mit den Anfängen unserer Kultur verknüpft—mit Kunst, Philosophie und Religion.

Wer den Begriff Schatten hört, mag zuerst an Nachtseitiges, Abwegiges und Unheilschwangeres denken. Die Ausstellung räumt mit diesem negativ besetzten Klischee auf. Ihr Titel leitet sich von der Erzählung der Verkündigung im Lukasevangelium ab: Der Erzengel Gabriel erscheint der Jungfrau Maria und verkündet ihr die Empfängnis Jesu mit den Worten: „Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten (obumbrabit).“ So verstanden, bezeichnet obumbro („ich überschatte“ oder„schütze“) einen der fruchtbarsten kulturbildenden Schöpfungsakte.

Die Ausstellung bewundert eine Heilung durch Petrus’ Schatten und bestaunt die Schemen in Platons Höhle. Sie bezeugt mit Plinius das zeichnerische Festhalten einer geliebten Silhouette und beäugt, wie eine zum Leben erweckte Statue aus dem Schatten ihres Schöpfers Pygmalion tritt. Sie beobachtet, wie Peter Schlemihls Schattenbild verschwindet und Peter Pan seinen verlorenen Schatten wieder annäht. Aus den Mythen vom Ursprung bildnerischen Darstellens zieht die Ausstellung Schlüsse für ein Verstehen des Computerspiels.

Im Zeichen des Schattens paart die über 90 Exponate umfassende Ausstellung populäre und noch zu entdeckende Computerspiele mit frühneuzeitlichen Gemälden, barocken Emblem- und zeitgenössischen Kinderbüchern, mit Comics, Zeichnungen, Werbeplakaten, Fotografien, Filmen, Schattenspielfiguren und multimedialen Installationen. Sie zeigt so, dass das Computerspiel in der Herzkammer unserer ‚Hochkultur angekommen ist.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Feiertag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Faschingsdienstag, Karfreitag, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag und Silvester geschlossen.

Weitere Informationen direkt unter: museumulm.de