„Ich habe immer das gemacht, was um mich herum war: Lebenssituationen, Begegnungen, Umgebungen, die mich umzingelt haben – es ist einfach so passiert.“ (Franz Gertsch in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstages, in: Res Strehle, Das ist fast ein Selbstbildnis, was ich hier mache“, Tagesanzeiger, 16.4.2010)

Franz Gertsch zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Vom 17. November 2018 bis 24. Februar 2019 zeigt die Kunsthalle zu Kiel in der Ausstellung „Franz Gertsch. Bilder sind meine Biografie“ rund 50 ausgewählte Gemälde, Holzschnitte und Aquarelle aus der Schaffenszeit von 1961 bis 2018.

1930 in Mörigen, Kanton Bern, geboren, beginnt Gertsch seine künstlerische Ausbildung 1947 an der Malschule Max von Mühlenen in Bern. Zu seinem Frühwerk zählen in den 1960er Jahren unter anderem kleinformatige Aquarelle, die Landschaftsansichten aus Schottland und dem Wallis zeigen. Wenngleich sie ohne Fotovorlagen entstehen, sind diese Arbeiten durch die Schnelligkeit und Direktheit der künstlerischen Verarbeitung des Gesehenen dennoch eine Grundlage für seine spätere Arbeitsweise.

Bereits 1969 entstehen die ersten großformatigen Gemälde. Gertsch fotografiert Menschen in seinem Umfeld, die Natur und auf familiären Reisen, als Vorlagen für seine fotorealistischen Werke. Der internationale Durchbruch gelingt Franz Gertsch 1972 mit der Teilnahme an der documenta 5 in Kassel.

Ab Mitte der 1980er Jahre gibt Gertsch die Malerei für 10 Jahre auf und wendet sich ausschließlich dem Holzschnitt zu. Die großformatigen Papierarbeiten nehmen einen besonderen Stellenwert in seinem Werk ein: Durch eine bislang unbekannte Präzision in der Ausführung und die außergewöhnliche Größe der Arbeiten, führt Franz Gertsch die Kunst des Holzschnitts in eine neue Dimension.

Bis heute ist das Schaffen von Franz Gertsch tief in der Natur verwurzelt. Landschaften, Pflanzen und Wege aus der direkten Umgebung des Hauses gehören neben den Porträts zu seinen Hauptmotiven. 2002 eröffnet das zu Ehren des Künstlers privat gestiftete Museum Franz Gertsch im Schweizerischen Burgdorf.

1999 und 2003 war er auf der Biennale in Venedig vertreten und erhielt 1997 die Auszeichnung Der Kaiserring – Kunstpreis der Stadt Goslar. Seit 2005 ist Franz Gertsch Ehrenbürger der Christian- Albrechts-Universität zu Kiel.

Die Ausstellung vermittelt die ebenso eigenwillige wie enge Verbindung von Kunst und Leben bei Franz Gertsch. Durch die Größe der Gemälde und Holzschnitte in Relation zur eigenen Körpergröße bietet die Ausstellung ein außergewöhnliches Seherlebnis. Sein jüngstes Gemälde „Große Pestwurz“ malte Franz Gertsch rechtzeitig für die Schau in der Kunsthalle zu Kiel fertig und präsentiert es im Rahmen der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit.

Die Ausstellung „Franz Gertsch. Bilder sind meine Biografie“ ist in enger Zusammenarbeit mit Franz Gertsch entstanden.