Seit den 1970er Jahren arbeitet Nil Yalter als Pionierin einer gesellschaftlich engagierten und technisch avancierten Kunst. Als eine der ersten Künstlerinnen in Frankreich nutzt sie das neu aufkommende Medium Video. Nil Yalter ist 1938 in Kairo geboren, aufgewachsen in Istanbul und seit 1965 wohnhaft in Paris. Mit der weltweit ersten Überblicksausstellung der Künstlerin präsentiert das Museum Ludwig die Vielfalt ihres Schaffens: darunter bislang kaum bekannte Gemälde aus ihrem Frühwerk sowie Videoinstallationen der frühen 1970er Jahre bis hin zu Multimedia-Installationen, in denen sie Fotografie, Video, Zeichnungen und Skulptur zu Collagen verbindet. Die Ausstellung will den Weg ihrer engagierten Ästhetik nachzeichnen. Erstmalig werden die kaum gezeigten Gemälde ihres Frühwerks zusammengebracht mit ihrer Hinwendung zu politischen Themen, die sich zeichnerisch und multimedial äußert.

Nil Yalters Werke entstehen aus aktuellen politischen Situationen: der Verurteilung zum Tode eines türkischen Aktivisten, dem Alltag in einem Frauengefängnis oder der Lebenssituation analphabetischer Gastarbeiter*innen. Sujets, die sich in dem Ausstellungstitel Exile Is a Hard Job wiederfinden. Dabei spielt Sprache für Nil Yalter eine wichtige Rolle, ebenso wie kulturelle Einflüsse aus dem Nahen Osten, der Türkei und Westeuropa. Sensibel integriert sie die Stimmen derjenigen, die sie in ihren Arbeiten porträtiert. Mit quasi-anthropologischer Methodik zeichnet sie die Lebenssituation der Dargestellten nach und versteht es, marginalisierte Personengruppen sichtbar zu machen.

Für ihre Ausstellung im Museum Ludwig wird die Posterserie Exile Is a Hard Job/Walls. Construction, Demolition im Stadtraum von Köln fortgeführt und wird zugleich im Eingangsbereich der Ausstellung gezeigt. Nil Yalter hängt die Plakate, die Bilder von Turkish Immigrants, einer Bildserie Yalters aus dem Jahr 1977, die die erste sogenannte Gastarbeitergeneration aus Paris zeigt, ohne Autorisierung in verschiedenen Stadtvierteln auf. Den Slogan „Exil ist harte Arbeit“ schreiben die Künstlerin oder die Bewohner*innen auf die Poster, in der Sprache, die im jeweiligen Viertel vorrangig gesprochen wird: Deutsch, Türkisch, Arabisch, Russisch, Polnisch.

Als Pantomime-Künstlerin reiste Nil Yalter von 1956 bis 1958 in den Iran, nach Pakistan und Indien. Von 1963–1964 arbeitete sie als Bühnenbilderin und Kostümdesignerin an diversen Theatern in Istanbul. 1965 ging sie nach Paris, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Seit ihrer ersten Einzelausstellung 1973 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris wurde ihr Werk international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt unter anderem im FRAC Lorraine in Metz (2016), im Arter – Space for Art in Istanbul (2016), im Centre Pompidou, Paris (2012), in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom (2010) und im MoMA PS1, New York (2008).

Nil Yalter. Exile Is a Hard Job ist eine Ausstellung des Museum Ludwig in Kooperation mit dem Center for Curatorial Studies, Hessel Museum of Art, Bard College, Annandale-on-Hudson, New York.
Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Kunststiftung NRW. Des Weiteren wird sie unterstützt von der Rudolf Augstein Stiftung.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Övül Durmusoglu, Fabienne Dumont und Lauren Cornell sowie einem Gespräch von Rita Kersting mit Nil Yalter.