Im Rahmen von Artist Meets Archive.

International agierende Künstler*innen entdecken Kölner Archive – das ist die Idee des Residency-Programms Artist Meets Archive der Photoszene Köln im Rahmen der Photoszene-Festivals 2018 und 2019. Als Kooperationspartner laden sechs Institutionen je eine*n Künstler*in ein, aus der Sammlung heraus ein Projekt zu entwickeln. Diese sind neben dem Museum Ludwig das Kölnische Stadtmuseum, das Museum für Angewandte Kunst Köln, das Rautenstrauch-Joest-Museum, das Rheinische Bildarchiv Köln und die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur.

Im Museum Ludwig arbeitet die Fotografin, Videokünstlerin und Filmemacherin Fiona Tan (*1966 in Pekanbaru, Indonesien, lebt in Amsterdam, Niederlande) mit dem Archiv der Agfa-Werbeabteilung, das in Kisten verpackt seit vierzig Jahren im Depot schlummerte. Es handelt sich um schätzungsweise 25.000 Fotografien und Negative aus der Agfa-Werbeabteilung. Diese Fotografien dienten als Fundus für Werbeschriften, Broschüren, Ausstellungen und die Zeitschrift Agfa Photoblätter, mit denen das Unternehmen für seine Produkte warb. Die Motive reichen von Reisefotografien über Mode-, Porträt-, Tier-, Sport- und Landschaftsaufnahmen sowohl in Schwarzweiß als auch in Farbe, entstanden in den 1920er bis 1960er Jahren. Die Aufarbeitung des Archivs steht noch aus.

Fiona Tans Werk kreist um Fragen von Identität und Erinnerung, das Eigene und das Fremde, Dokumentation und Fiktion. Für ihre künstlerischen Strategien der Recherche und Klassifikation spielt oft das Archiv als Zeitkapsel eine zentrale Rolle. Der Titel der Ausstellung GAAF – ein Anagramm von Agfa – heißt im Niederländischen „makellos“. Fiona Tan nimmt sich das bislang unbearbeitete Agfa-Werbearchiv vor und interessiert sich insbesondere für die Farbaufnahmen aus den 1950er und 1960er Jahren. Ihnen ist die Euphorie der Wirtschaftswunderjahre anzusehen: Paare posieren am Strand oder im Schnee, makellos und bunt gestylt. Die Künstlerin selbst schreibt: „Mich interessiert besonders, dass all diese Bilder von professionellen Fotograf*innen aufgenommen wurden, aber aussehen sollten, als seien sie von Amateuren fotografiert. Es wurden Alltagsmomente so inszeniert als seien sie wahr und authentisch. Diese Aufnahmen lassen mich über Pose, über Künstlichkeit versus Spontaneität und Authentizität nachdenken, vor allem im Hinblick auf das zentrale Thema Amateurfotografie: Familienleben.“

GAAF rückt die bunte, gestellte Welt der bislang im Depot des Museum Ludwig verborgenen Aufnahmen erstmalig ins Blickfeld. Tan ergänzt sie in der Ausstellung um Werke aus der Fotosammlung des Museum Ludwig sowie durch eigene Leihgaben. So bringt sie hoch inszenierte Werbeaufnahmen zusammen mit künstlerisch-dokumentarischen Bildern und Amateuraufnahmen, die in diesem Zusammenhang ein vielleicht authentischeres, in jedem Fall aber weniger geschöntes Bild ihrer Zeit entwerfen.

Die Ausstellung wird begleitet von einer Publikation und einem Filmprogramm.


Eröffnung: Freitag, den 3.5.2019 um 19:00 Uhr.