Die Ausstellung Familienbande. Die Schenkung Schröder zeigt die eigenwillige und sinnliche Seite der Kunst der 1990er und 2000er Jahre. In dieser Zeit formiert sich in Köln eine neue Kunstszene: Junge Galerien wie jene von Christian Nagel eröffnen, die Zeitschrift Texte zur Kunst wird gegründet und ein Künstlerkollektiv betreibt den alternativen Ausstellungsraum Friesenwall 120. Das Rheinland entwickelt sich – im intensiven Austausch mit New York – zu einem intellektuellen Zentrum.

Dominierten in den 1980er Jahren „Malerfürsten“ wie Markus Lüpertz und Georg Baselitz oder „Enfants terribles“ wie Martin Kippenberger und Albert Oehlen die Kölner Kunstszene, so wandelt sich die Haltung der nächsten Künstler*innengeneration. Es entwickelt sich eine Kunstpraxis, in der die vielen unterschiedlichen Bedeutungen von Gemeinschaft, von Familie, Sippe, Clique, Bande, bis hin zu strategischen Allianzen eine wichtige Rolle spielen. Gemeinschaftliche Projekte lösen das traditionelle Kunstobjekt ab. Darüber hinaus entwickeln die Künstler*innen ausgehend von der eigenen Biografie und deren zeitgeschichtlichem Kern, von aktuellen politischen Ereignissen oder von einer Gegenerzählung zur Kunstgeschichte einen komplexen Referenzrahmen.

Alexander Schröder verfolgt diesen Aufbruch von Berlin aus. Bereits als Kunststudent an der Hochschule der Künste Berlin gründet er mit Thilo Wermke eine eigene Galerie. Zugleich beginnt er, die Kunst seiner Zeit mit einem besonderen Blick zu sammeln. Heute vermittelt seine Kollektion die eigensinnige und spielerische Seite der durch die Konzeptkunst geprägten 1990er und 2000er Jahre. Nun übergibt er substantielle Werke aus seinem Besitz von Künstler*innen wie Kai Althoff, Cosima von Bonin, Tom Burr, Lukas Duwenhögger, Isa Genzken und Danh Võ dem Museum Ludwig als Schenkung.

Die Ausstellung Familienbande zeigt die Schenkung Schröder im Zusammenspiel mit Schlüsselwerken aus der Sammlung des Museum Ludwig und nimmt die Kunst der Wende zum 21. Jahrhundert in den Blick. Der Einfluss, den Köln und das Rheinland zu diesem Zeitpunkt ausübten, wird auch im Verhältnis zur Kunstszene in New York ergründet. Die Ausstellung macht deutlich, welche Bedeutung Künstler*innengemeinschaften und Kollaborationen in wechselnden Konstellationen hatten. Nähe und Distanz, Verbindlichkeit und Konkurrenz, Ein- und Ausschluss traten in produktive Reibung zueinander. Gerade in Köln, an dem Ort, an dem vor rund 20 Jahren viele der Werke entstanden oder erstmals gezeigt worden sind, wird es möglich sein, die Kunst auf ihre Aktualität hin zu überprüfen.

Beteiligte Künstler*innen:
Kai Althoff, Juliette Blightman, Cosima von Bonin, KP Brehmer, Tom Burr, Lukas Duwenhögger, Andrea Fraser, Isa Genzken, Dan Graham, Renée Green, Ull Hohn, Martin Kippenberger, Pierre Klossowski, Mark Leckey, Hilary Lloyd, Lucy McKenzie, Christian Philipp Müller, Nils Norman, Stephen Prina, Stephen Willats und Danh Võ.

Die Ausstellung wird unterstützt von der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Eröffnung: Freitag, den 12.7.2019 um 19:00 Uhr.

Tom Burr Aus: Palm Beach Views, 1999, Schenkung Schröder © Tom Burr
13.07. - 29.09.2019

Familienbande. Die Schenkung Schröder

Museum Ludwig

Hein­rich-Böll-Platz
50667 Köln