Ob zur Ikone stilisiert wie bei Alexej von Jawlensky, als Erscheinung wie bei Miriam Cahn oder expressiv übermalt wie bei Arnulf Rainer – kein anderer Körperteil wurde so häufig zum Bildthema erhoben wie der menschliche Kopf. Diese künstlerische Faszination mag darin begründet liegen, dass wir hier das Be- wusstsein verorten, den Verstand und die Imagination: das „Ich“. Auch reichen wenige visuelle Zeichen aus, um ein Gesicht in Bäume oder Wolken hineinzulesen. Heute führen neue Phänomene wie der Selfie- Hype, die Face ID-Technologie oder Dauerpräsenzim Internet zur möglichst einzigartigen Darstellung des Individuums, das Bild der Oberfläche als Ausweis unseres Selbst. 

Doch während das klassische Porträt Auskunft über Äußeres, Hintergrund, Charakter, Stellung, Alter und Geschlecht einer bestimmten Person gibt, rückt diese Ausstellung entpersonalisierte, stilisierte oder ver- fremdete Darstellungen von Köpfen in den Fokus. Lediglich auf das Haupt reduziert und von allem zeittypischen Zubehör befreit, werden die Kopfdar- stellungen zu Metaphern der humanen Befindlichkeit und der unverfälschten menschlichen Existenz. Die Ausstellung setzt rund 150 Werke von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst in einen so vielfäl- tigen wie anregenden Dialog.

Beteiligte Künstler:
Pierre Alechinsky, Georg Baselitz, Franz Bernhard, Huma Bhabha, Rolf Bier, Miriam Cahn, Louisa Clement, Mariechen Danz, Friedrich Einhoff, Rainer Fetting, Thomas Geiger, Tamara Grcic, Raoul Hausmann, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Johannes Kahrs, Per Kirkeby, Max Neumann,Emil Nolde, Meret Oppenheim, Tony Oursler, Carl-Henning Pedersen, Arnulf Rainer, Antonio Saura, Thomas Schütte, Annegret Soltau, Andy Warhol