Sebastian Kuhn, 1977 im schwäbischen Krumbach geboren, fertigt Boden- und Deckenarbeiten, Raumobjekte und ortsspezifische Installationen aus unterschiedlichen Materialien unseres Alltags. Diese Gebrauchsgegenstände und vertrauten Werkstoffe bringt er durch eine eigenwillige Materialkombination in einen neuen Zusammenhang und entwickelt so skulpturale Werke sowohl für den Innen- als auch für den Außenraum.
Studiert hat der Bildhauer bei den Professoren Tim Scott und Claus Bury an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Wesentliche Anregungen erhielt er 2001 bei einem Arbeitsaufenthalt in Santiago de Chile, später an der Hiroshima City University sowie, nach Abschluss seines Nürnberger Studiums im Jahr 2006, als DAAD-Stipendiat am Wimbledon College of Arts in London. Dort schloss er 2007 das Masterstudium für Bildhauerei mit Auszeichnung ab. Heute lebt und arbeitet der mit Preisen ausgezeichnete und im In- und Ausland mit Ausstellungen gewürdigte Künstler in Nürnberg. Im Zentrum der Ausstellung steht die allansichtige Arbeit Polyrhythmic Walkabout. Hier werden PVC-Elemente, Edelstahl, Schrauben und Wolle zusammengebracht mit großen Korpusteilen zweier Konzertflügel und eines Kurzflügels. Diese höchst unterschiedlichen Gegenstände verbindet Kuhn konstruktiv zu einem spannungsvollen Objekt. Wesentliche Aspekte seines bildhauerischen Arbeitens sind dabei die räumliche Erfahrung und die körperliche Wahrnehmung. Daher ist es ihm auch wichtig, dass der Betrachter seine Werke umschreiten kann. Bei den Wandarbeiten der Serien The Kubrick Sessions oder Display Devices entdeckt man Stahlrohre, Schaum- und Teppichreste, Lederpolster, Kabel, Neonröhren oder Waschbeckenhalterungen. In Baumärkten und Haushaltsläden findet Sebastian Kuhn oftmals die kuriosesten Dinge für seine zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelten Kompositionen.

Die Beschäftigung mit der Kunst- und Filmgeschichte sowie der Jazzmusik, die er als Schlagzeuger auch selbst ausübt, liefert immer wieder wichtige Anregungen für sein bildnerisches Denken. Künstlerische Inspiration fand er anfänglich auch bei dem amerikanischen Bildhauer David Smith und seinen aus Fundstücken zusammengefügten Plastiken sowie bei dem Briten Anthony Caro. Auch wenn es in Kuhns Schaffen spannende Bezüge zu älteren Kollegen gibt, erarbeitete er sich doch schnell seinen eigenen zeitgenössischen Ideen-Kosmos: ein Zusammenspiel von Material und Objekt sowie vermeintlichem Alltagsbezug und Kunstwerk. Der Ausstellung gibt Sebastian Kuhn den Titel fray: ausfransen, abnutzen, kämpfen. Dieser verweist ganz bewusst vieldeutig auf Kuhns Strategien bei der Erstellung seiner komplexen Skulpturen.