Sowohl in der ausdrucksstarken Malerei als auch in seinen Arbeiten auf Papier setzt sich Gustav Kluge, 1947 in der Lutherstadt Wittenberg geboren, mit existenziellen Bildthemen und Fragestellungen des Menschen auseinander. Um Leben und Tod geht es, um ausgeübte oder erduldete Macht und Gewalt, um Verletzung und Verletzbarkeit. Zu seinen Bildmotiven ndet Kluge, von 1996 bis 2014 Hochschulprofessor an der Staatlichen Akademie der Bilden- den Künste Karlsruhe, zudem durch die Beschäftigung mit Kultur- und Zeitgeschichte sowie Religion. Heute lebt und arbeitet Gustav Kluge in Hamburg und zählt international zu den wichtigsten Malern seiner Generation.

In der ca. 40 Arbeiten umfassenden Werkschau Rote Watte, Bild- und Ausstellungstitel gleichermaßen, werden erstmals Druckstöcke und Holzdrucke in den Dialog gesetzt. Doch im Fokus der Betrachtung stehen die Druckstöcke. Aus alten Dielenböden, Türblättern, Tischlerplatten oder montierten Fundhölzern gefertigt, sind sie keineswegs nur Werkzeug zur Reproduktion von Bildern. Mit ihren malerischen Setzungen werden sie vielmehr als lebendige Reliefs oder eigenständige Skulpturen begreifbar, die trotz des spröden und schweren Werkstoffs die hohe Sensibilität des Künstlers verraten. Nach der Fertigung des farbig gefassten Druckstocks zieht Kluge selbst meist nur einen einzigen Druck oder wenige Varianten auf Pergamin, Leinwand oder Gaze ab. Von Kegelspiegelgibt es nur einen Teildruck, von Neue Münze oder KOANliegen gar keine Druckabzüge vor. Ein weiterer Beleg dafür, dass es sich bei den Stöcken um autonome Werke handelt. Auffallend sind auch die malerischen Elemente der meist großformatigen Handdrucke, die durch das teilweise Collagieren von Formen plastische Züge erhalten. Die mit Mono- typien vergleichbaren Blätter sind immer Unikate, denen in Kluges Schaffen folglich eine besondere Bedeutung zukommt. Wie kaum ein anderer Maler belebt und erweitert der Künstler bewusst die technischen Möglichkeiten von Druckstock und Holzdruck. Der jahrhundertealten Technik des Holzschnitts hat Kluge immer wieder überzeugend Neues abverlangt. Das Ergebnis ist ein höchst eigenständiges und vielfältiges Œuvre, das es noch umfänglich zu entdecken gilt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Horst-Janssen- Museum Oldenburg und dem Kunstmuseum Reutlingen. Es erscheint das Werkverzeichnis der Druckstöcke 1984–2018.