Vom 9. Februar bis 7. April 2019 zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt die Ausstellung „Getting closer“. Sie ist ein Versuch, die Folgen des Klimawandels zu lokalisieren und zu konkretisieren. Die Ausstellung zeigt, wie es über verschiedene (Forschungs-)Perspektiven möglich ist, sich den Auswirkungen von Klimaveränderungen auf das Leben der Menschen im ländlichen Kenia und Tansania anzunähern, und bietet Einblicke in persönliche Geschichten vor Ort.

Wir leben in ungewissen Zeiten. Alles – von der Politik bis hin zum Klima – scheint in ständigem Wandel begriffen. In Ostafrika werden Probleme wie Wasserknappheit und Bodenerosion immer gravierender. Wie wirkt sich das auf Migrationsbewegungen aus, wie befeuert es Identitätspolitik? Wie können die Menschen vor Ort ihren Unterhalt sichern, wenn das Land, auf dem sie leben sie im Stich lässt? Vergleichbare Probleme gibt es vielerorts – aber was genau heißt das? Begriffe wie Klimawandel bleiben oft abstrakt. Woher nehmen wir unser Wissen, wenn die Welt um uns herum aus alternativen Fakten besteht?

Zu den wahrgenommenen Unsicherheiten zählen aktuelle soziale und ökologische Veränderungen, die sich rasch und in bisher nicht gekannter Weise vollziehen. Nicht nur der globale Klimawandel, auch das steigende Bevölkerungswachstum, die Veränderung der Muster der Landnutzung und schwache Regierungssysteme haben zuvor lokale Umweltprobleme wie Bodenerosion, Wassermangel, Verlust von Wäldern und Weideland sowie sinkende Bodenfruchtbarkeit und biologische Vielfalt weltweit verschärft. In Ostafrika wie auch in vielen anderen Teilen der Welt haben diese Prozesse die Gesellschaften in vielfältiger Weise beeinflusst, die Ernährungssicherheit gefährdet, Landnutzungsstrategien und soziale Beziehungen verändert, Bevölkerungsbewegungen angeregt und die Identitätspolitik befeuert.

„Getting Closer“ befasst sich mit verschiedenen Aspekten des Wandels von Klima und Mensch-Umwelt-Beziehungen in Kenia und Tansania. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden verschiedene Wege aufgezeigt, sozio-ökologische Veränderungen vor Ort zu erforschen. Etwa wie ein mit Glyzerin gefülltes, mit Moskitonetz abgedecktes Plastikrohr, das ein Jahr lang in der Natur zurückgelassen wurde, helfen kann, herauszufinden, warum es in der der Gegend um den Kilimandscharo plötzlich riesige Tomatenfelder gibt, obwohl es weniger regnet. Oder wie Fußball spielen in einem Dorf in Kenia dazu beiträgt zu verstehen, wieso die Menschen dort um Land streiten.

Der zweite Teil widmet sich persönlichen Geschichten aus lokalen Gemeinschaften in Kenia und Tansania. Die Geschichten beziehen sich auf eine sich verändernde Umwelt und die manchmal überraschenden kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und Konsequenzen dieser Veränderungen. Sie verdeutlichen die unmittelbare Beziehung, in der Menschen und Land in Ostafrika stehen. Der Lebensunterhalt vieler Menschen dort hängt sehr konkret von Landnutzung ab. Sie sind entweder auf Acker- oder Weideland angewiesen und daher sofort von Umweltveränderungen betroffen. Wenn es nicht regnet, gibt es keine Ernten, die Rinder finden keine Weiden, der Lebensunterhalt ist gefährdet. Das sich ändernde Klima und die Umwelt haben die sozialen Beziehungen der Menschen beeinflusst, was zu Konflikten, aber auch zu neuen Kooperationsmustern geführt hat. Die Kultur und die Identitätsvorstellungen der Menschen haben sich gewandelt. Wirtschaftliche Möglichkeiten wurden stark von den Umweltveränderungen beeinflusst. Und nicht zuletzt stehen auch politische Dynamiken in engem Zusammenhang mit diesen Veränderungen.