Einfühlsame und faszinierende Einblicke in die Jahre zwischen 1940 und 1970 in Altona und St. Pauli werden in den Schwarz-Weiß-Arbeiten der drei Fotografen Herbert Dombrowski (1917–2010), Anders Petersen (*1944) und Germin (1910–2001) gegeben. Eine Auswahl von rund 140 Fotos zeigt Momentaufnahmen aus den verschiedensten Lebenssituationen in den berühmten Stadtteilen am Hamburger Hafen. Der Mythos des Vergnügungsviertels, die Liberalität des „Tors zur Welt“ und das alltägliche Leben in den Arbeiterquartieren werden gezeigt und rufen einerseits Erinnerungen wach, erwecken andererseits aber auch ein realhistorisches Bild einer legendären Epoche zwischen NS-Regime und beginnendem Wirtschaftswunder. Die Fotografien zeigen die Geschichten der Menschen, die dort lebten und arbeiteten, und sind Zeugnis eines steten Wandels zwischen Verlust und Hoffnungslosigkeit, aber auch Aufbruch und Tatkraft. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag vieles in Trümmern, rund um die Reeperbahn etablierten sich illegale Schwarzmärkte, die Arbeit im Hafen war hart, Politik und Wirtschaft stabilisierten sich nur langsam. Auch Kriminalität und Brutalität waren Teil der Tagesordnung. Bei aller Härte, die der Kiez mannigfaltig selbst gebar, bot er jedoch oftmals denjenigen ein wenig Freiheit, die sonst keine fanden. Die Fotografien von Dombrowski, Petersen und Germin sind damit mehr als ein Zeugnis der Stadtgeschichte, führen sie doch vor Augen, dass es in diesem besonderen Hafenquartier die Menschen sind, die „den Kiez“ geprägt haben.

Herbert Dombrowski (1917–2010) wurde in Hamburg geboren und arbeitete seit den Nachkriegsjahren als Berufsfotograf mit eigenem Studio. Zusätzlich zu zahlreichen Aufträgen, wie der Dokumentation des Altbaubestandes der Altonaer Altstadt, fotografierte er immer wieder Menschen in Alltagssituationen, machte Bilder von Werftarbeitern und den Schiffen im Hamburger Hafen, vom Handel auf dem Fischmarkt und vom Leben auf St. Pauli.

Anders Petersen (*1944 Solna, Schweden) zählt zu den maßgebenden Fotografen seiner Generation. Seit seiner Ausbildung an der Fotoschule von Christer Strömholm gilt sein berufliches Interesse besonders den Einzelgängern und gesellschaftlichen Außenseitern. In der Ausstellung ist seine berühmte Fotoserie „Café Lehmitz“ zu sehen, in der er Ende der 1960er Jahre die Prostituierten, Arbeits- und Hoffnungslosen porträtierte, die in der Kneipe an der Hamburger Reeperbahn zueinander gefunden hatten.

Germin (1910–2001), bürgerlich Gerd Mingram, hielt seine Geburtsstadt Hamburg über 40 Jahre lang fotografisch fest, porträtierte die bauliche und gesellschaftliche Entwicklung. Besonders das Arbeitsleben wird von ihm durch Aufträge verschiedenster Hamburger Unternehmen umfangreich dokumentiert. Er arbeitete bildjournalistisch für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und war Herausgeber von Fotobüchern und Artikeln.
 

Herbert Dombrowski, Der Matrose (Ausschnitt), 1956 © Galerie Hilaneh von Kories
09.02. - 05.05.2019

Es war einmal. St. Pauli und Altona in Fotografen von Herbert Dombrowski, Anders Petersen und Germin

Kunsthaus Stade

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21682 Stade