In seinem medienübergreifenden künstlerischen Œuvre verfolgt Manuel Graf (*1978 in Bühl, lebt in Düsseldorf) eine kritische Auseinandersetzung an der Grenze zwischen Gesellschaftsutopie und realer Lebenswirklichkeit. Seine multimedialen Arbeiten offenbaren einen kaleidoskopartigen Blick auf die menschliche Existenz, der sich nicht nur auf das Hier und Jetzt beschränkt, sondern auch im Rückblick unsere Kulturgeschichte zu deuten versucht. Der programmatische Ausstellungstitel »GodboX« – ein Verweis auf ein Werk des amerikanischen Künstlers Ed Kienholz –  trägt die künstlerische Janusköpfigkeit bereits in sich, die sich in der Wahl von weltlich-konkreten und religiösen Topoi niederschlägt: Mittels analoger und digitaler Strategien in Szene gesetzt, bilden die Ausstellungsräume die Heimat für aufwendige Objekte, Filme und Installationen, die Querverbindungen zwischen Religion und Architektur, Wissenschaft und Pop-Kultur, Archäologie und Aberglaube aufstellen. Graf verwendet digitale Techniken wie 3D-Animation und Architektur-Renderings, um in seinen filmischen Arbeiten Themengebiete zu verknüpfen, die immerzu auch eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Territorien (Orient und Okzident), Glaubensrichtungen (Christentum, Islam und Judentum) und Zeitebenen herstellen. Exkursionen über die Architektur von Gotteshäusern, wie in dem Werk »Santería« (2019), erfahren ihre inhaltliche Fortsetzung innerhalb des Ausstellungsraums als installative Inszenierung. Die Gegenüberstellung von Realem und Virtuellem erweitert sich in seinem Werk auch um die Frage, ob die neuen technischen Errungenschaften unserer Gesellschaft die erhoffte Utopie ermöglichen oder stattdessen ein dystopisches Szenario entstehen lassen. Eine Skepsis, die sich in seiner fortlaufenden Werkreihe der »Doppelgänger« (2015–2018) äußert, in der haptisch erfahrbare Objekte durch die partielle Digitalisierung ein Eigenleben erhalten und durch Morphings unterschiedlichster Art sichtbar werden. Für Graf, der in der Vergangenheit zwischen Istanbul und Düsseldorf pendelte, ist die Auseinandersetzung mit kulturellen, historischen und technologischen Codices ein zentraler Impetus seines Schaffens. Es ist diese genuine Neugierde auf die Welt und die Suche nach entsprechenden Bildern, die den Künstler auszeichnen.