Erstmalig wird mit der Ausstellung im Kunstverein Hannover das Werk der US-Amerikanerin Kaari Upson (*1972 in San Bernadino, lebt in Los Angeles) in Deutschland institutionell gezeigt. In ihren vielschichtigen Werken thematisiert die Künstlerin Traumata, die auf einschneidenden persönlichen Erlebnissen basieren. Die Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel »DOOR, OPEN, SHUT« versammelt einen Querschnitt der skulpturalen, zeichnerischen und filmischen Arbeiten der Künstlerin, die als eine Art »rite de passage« im Ausstellungsraum miteinander verwoben werden.Kaari Upson arbeitet inhaltlich in Werkzyklen, die sich auf bestimmte Geschichten aus ihrer eigenen Biografie, aus Beobachtungen und erzählten oder gelesenen Geschichten speisen. Fast schon tagebuchartig notiert sie insbesondere in ihren zeichnerischen Arbeiten Gedanken, Portraits oder Räume, die sie zu großformatigen, an Landkarten erinnernde Zeichnungen verbindet. Für ihre skulpturalen Werke arbeitet die Künstlerin mit Abformungen von realen Räumen. Sie nähert sich durch ihre Latex-Skulpturen häuslichen Räumen ihrer eigenen Vergangenheit, indem sie diese ab- und verformt, malerisch bearbeitet und schließlich als (abstrakte) Objekte in den Ausstellungsraum überführt. So entstehen deformierte Treppengeländer oder auf den Kopf gestellte Kronleuchter. Großflächige Latex-Stücke, an denen Erdreste vom Garten des Nachbarhauses haften (»Mirrored Staircase Inversion (San Bernardino)«, 2012), stehen als Reminiszenzen im Raum und erinnern an Earth Art-Werke von Robert Smithson oder Arte Povera-Installationen.Über den gesamten Ausstellungsparcours verteilt, begegnen die Besucher*innen einer Auswahl filmischer Arbeiten aus den letzten zwölf Jahren, die auf Monitoren oder in Form von Projektionen Upson als Protagonistin zeigen. So ist sie in der prototypischen US-amerikanischen Kombination Jeans und Karohemd zu sehen und verkörpert ihre eigene Mutter, die selbst wiederum 1965 von Hannover in die USA emigrierte und sich vermeintlich die »neue Heimat« aneignete (»There are things one can do to oneself (Super Moon)«, 2012). Die Autobiografie ihrer Mutter wurde von der Tochter im Kontext ihrer Werkserie »My Mum Drinks Pepsi« verarbeitet sowie publiziert, und man findet immer wieder Mutter-Tochter-Beziehungsfragen sowie Zitate aus diesem Text in ihren Werken. Upson schlüpft in ihren Filmen in weitere Frauenrollen, (»In Search of the Perfect Double«, 2016), in denen sie geradezu exzessiv und bisweilen karikativ Fragen von gesellschaftlichem »Rollenspiel« sowie sexuelle und psychologisierende Spannungen auf die Spitze treibt. Gerade aufgrund der Exzessivität und Überdrehtheit in ihren filmischen Arbeiten wird die ehemalige CalArts-Absolventin mit Paul McCarthy und Mike Kelley in Verbindung gebracht, die für Upsons Werk eine bedeutende Rolle spielen. Gespickt mit Zitaten, mit denen die Künstlerin in ihrer Umgebung nahe Hollywood aufwuchs, spiegeln gerade die Filmarbeiten jedoch darüber hinaus all jene Utopie-Fantasien und Verführungsmechanismen der amerikanischen Traumfabrik wider, die im Moment ihrer Entstehung bereits im Verfall begriffen sind. In diesem Jahr war Kaari Upson auf der 58. Biennale in Venedig sowie 2017 bei der Whitney Biennale und der 15. Istanbul Biennale vertreten. Im selben Jahr hatte sie eine Einzelausstellung im New Museum in New York. Parallel zu ihrer breit angelegten Werkschau in Hannover zeigt die Kunsthalle Basel die Ausstellung »Go Back the Way You Came«. Gemeinsam mit der Kunsthalle Basel sowie der Künstlerin ist ein fiktional angelegtes Künstlerbuch in Planung.