Mit der Verleihung des Käthe-Kollwitz-Preises 2019 an Hito Steyerl ehrt die Akademie der Künste eine internationale Künstlerin, deren besonderes Interesse den Medien, der Technologie und der Verbreitung von Bildern gilt. Ihr Werk umfasst Texte, Performances, Multimedia-Installationen und essayistische Dokumentarfilme, in denen sie sich mit postkolonialer Kritik, feministischer Repräsentationslogik sowie den Einflüssen der Globalisierung auf den Finanz-, Arbeits- und Warenmarkt auseinandersetzt. Die Jury bildeten die Akademie-Mitglieder Douglas Gordon, Katharina Grosse und Ulrike Lorenz. 

Die Akademie der Künste zeigt anlässlich der Preisverleihung u.a. die raumgreifende Installation Hell Yeah We Fuck Die (2016) aus stählernen Absperrelementen und Wänden mit kompilierten Video-Audio-Sequenzen humanoider Roboter. Hier konkretisiert Steyerl die Frage nach dem Einfluss virtueller Realitäten auf die User*innen und Rezipient*innen im Hinblick auf die Rolle von Computertechnologien in Kriegssituationen. Auch die zweikanalige Videoarbeit Abstract (2012) konfrontiert die Überbleibsel einer militärischen Konfliktsituation in der von Kurden bevölkerten Osttürkei mit Handybildern der Künstlerin auf dem Pariser Platz. Die Preisträgerin zeigt außerdem auf einer LED-Wand ihre filmische Studie Empty Centre (Leere Mitte, 1998). Die Montage kontrastiert von Passanten geäußerte Zukunftsvisionen für die Brache zwischen Reichstag und Potsdamer Platz mit fast vergessenen dokumentarischen Bildern vor der Bebauung. Ebenso sind die Videoarbeiten Normality 6 (1999) und Babenhausen (1997) zu sehen. 

Hito Steyerl (geb. 1966 in München) ist Professorin für Experimentalfilm und Video sowie Mitbegründerin des Research Centers for Proxy Politics an der Universität der Künste Berlin. Sie studierte in Tokio und München Kinematographie und Dokumentarfilmregie. 2003 schloss sie ihre Promotion in Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste Wien ab. Ihre Werke wurden unter anderem auf der Biennale in Venedig, im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, und im Museum of Modern Art (MoMA), New York, ausgestellt. Neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin war sie am Center for Cultural Studies des Goldsmiths College in London sowie als Gastprofessorin an der Royal Danish Academy of Fine Arts, Kopenhagen, und der Academy of Fine Arts, Helsinki, tätig. Das Royal College of Art, London, zeichnete sie 2016 mit dem Titel „Honorary Doctorate“ aus. 

Der Käthe-Kollwitz-Preis, den die Akademie der Künste jährlich an eine bildende Künstlerin / einen bildenden Künstler vergibt, ist mit 12.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger waren u.a. Adrian Piper (2018), Katharina Sieverding (2017), Edmund Kuppel (2016), Bernard Frize (2015), Corinne Wasmuht (2014). Der Preis wie auch die dazugehörige Ausstellung und die Publikation werden mitfinanziert von der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln.